Thomas Bernhards Roman „Alte Meister“ als Komödie in Linz

Nach vielen Monaten der Abstinenz tut es gut, wieder Theaterluft zu schnuppern und trotz Maske und Abstand gemeinsam zu lachen – auch in einem Thomas-Bernhard-Stück. Sein letztes Prosawerk „Alte Meister“ in der Inszenierung von Schauspielchef Stephan Suschke rundete am Montagabend die Premierenserie am Landestheater Linz ab.

Umgeben von „Alten Meistern“ im Kunsthistorischen Museum in Wien sinniert der Musikkritiker Reger über Kultur und die österreichische Gesellschaft – oder besser gesagt: Er nimmt sie auseinander.

Burgenländer, Lehrer, Wiens Toiletten, Wohnungen und Menschen, aber auch der Papst, Stifter, Bruckner, Heidegger: Sie alle sind wahlweise „die sentimentalen und perversen Kleinköpfe aus dem unteren Mittelstand“ (Lehrer), „ein Skandal“ (Toiletten), „grotesk“ (Papst) oder ein „Provinzdilettant“ (Stifter). Nur seine verstorbene Frau, die er im Kunsthistorischen Museum kennengelernt hat, liebt er über alles. Um mit ihrem Tod umzugehen, kommt er wie früher mit ihr „jeden zweiten Tag außer Montag“ in den „Bordone-Saal“ um den „Weißbärtigen Mann“ Tintorettos zu betrachten und seinen Gedanken nachzugehen.

Die Bühnenfassung des Romans folgt der Originaldiktion Bernhards. Dass man dem Text, der eigentlich ein durch Atzbacher wiedergegebener Monolog Regers ist, bis zum Ende gut folgen kann, ist der Präsenz und Textsicherheit von Christian Taubenheim (Atzbacher) und Klaus Müller-Beck (Reger) zu verdanken. Plötzlich erscheint es dann gar nicht mehr so absurd wie ursprünglich gedacht, dass Bernhard seinem Roman den Untertitel „Komödie“ gab. Das reduzierte, dunkle Bühnenbild, das ausschließlich aus der Museums-Sitzbank besteht, tut sein Übriges, den Fokus auf die beiden Darsteller zu richten.

Die gut eineinhalb Stunden fordern vom Publikum Konzentration, werden aber durch reduzierte Soundeffekte und eingeblendete Zitate aufgelockert. Und wenngleich speziell Taubenheims Interpretation phasenweise an der Grenze zur Überzeichnung ist, ist es doch eine Wohltat, endlich wieder im Theater lachen zu dürfen. So sorgt nach so vielen Monaten der Abstinenz auch ein polemisch-kritisches Bernhard-Stück für einen erbaulichen Theaterabend.

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