Thomas Harris: Cari Mora

Mit Dr. Hannibal Lecter schuf US-Autor Thomas Harris eine literarische Figur, die an Bestialität, Perfidie und Popularität ihresgleichen sucht. Mächtige Fußstapfen, in die der Bösewicht in Harris neuem Thriller treten muss.

Der Hannibal Lecter in „Cari Mora“ heißt Hans-Peter Schneider und ist Deutscher. „Das Weinen einer Frau ist Musik für Hans-Peter“, heißt es zu Beginn. „Es beruhigt ihn.“ Doch folgt der Mörder keiner inneren Lust. Schneiders Trieb ist der schnöde Mammon. Er richtet für steinreiche Kunden Frauenkörper wunschgemäß her und zu.

Leider ist der Killer allzu sehr mit abgewetzten Klischees beladen und nur mäßig interessant. Die Haupthandlung dreht sich um Zaster: Schneider befindet sich mit anderen Gangstern in einem Wettlauf um den mit Millionen gefüllten Tresor im Wassergrundstück des toten Drogenbarons Pablo Escobar in Miami. Haushälterin ist dort die junge Cari Mora. Sie steckt mit einer der Banden unter einer Decke. Doch Schneider sieht in ihr nicht die Konkurrentin um das Escobar-Erbe, sondern eine Einnahmequelle: „Mit diesen interessanten Narben konnte er sie teuer verkaufen“, sagt er zu sich, als er sie durchs Fernglas beobachtet … Das neue Werk bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.

Der Sprache fehlt die Abwechslung, so manche Symbolik wird aufgemacht, aber nicht zu Ende gedacht. Besonders ärgerlich: Bei dem Thriller läuft es kaum einem kalt den Rücken herunter.

Thomas Harris: Cari Mora. Heyne, 275 Seiten, 22,70 Euro

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