Tiefe Gräben zwischen Pizzaschachtel und Designerhaus

Cannes-Gewinner Bong Joon Ho begeistert mit seinem südkoreanischen Genre-Mix „Parasite“

Es ist Komödie, Thriller, Groteske, Drama, Tragödie, Sozialkritik und das alles nahezu in Perfektion: „Parasite“ des koreanischen Regisseurs und Drehbuchautors Bong Joon Ho ist ein Film, in dem keine Minute, keine Einstellung, keine Szene, keine Wendung zu viel, keine zu wenig ist. In perfektem Timing und in Bildern, die jede Situation auf den Punkt bringen, wird die schier unglaubliche Geschichte zweier Familien erzählt.

Die einen hausen in einem Keller, falten Pizzaschachteln, um ihr Leben zu finanzieren. Das hingegen völlig uneingeschränkte Leben der anderen spielt sich in einem Designerhaus ab, das zum Dreh- und Angelpunkt des ganzen Streifens wird. Einer versteckten Invasion gleich infiltrieren die genial „teuflischen“ Armen die Reichen, füllen Lücken, stillen Bedürfnisse und schaffen sich Platz. Wäre das schon Geschichte und Drama genug, baut Bong Joon Ho dermaßen viele kluge, skurrile, abgründige Wendungen ein, dass der Zuschauer kaum erwarten kann zu sehen, was hinter der nächsten (Geheim-)Tür wartet.

Dabei entführt der Regisseur, der heuer für seinen Film außerordentlich verdient in Cannes als erster Südkoreaner mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden ist, auch ins Märchen- und Parabelhafte, ohne dabei beinharte realistische Bilder außen vor zu lassen. Oft in Nebensätzen und kurzen Szenen werden für die sozial schlechter gestellten Bevölkerungsschichten zutiefst demütigende Momente offenbart. Die tiefen gesellschaftlichen Gräben können trotz der Liebenswürdigkeit aller Charaktere schlussendlich nicht aufgefüllt werden. Den einen stinkt’s, den anderen erst recht.

Ein auf allen Ebenen meisterlicher Film.

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