Tirol: Heiße Informationen aus Virus-Brennpunkt

Klinik im Tiroler Zams fungiert in Corona-Krise als internationaler Daten-Knoten

Eine Auffälligkeit bei der Behandlung von schwer erkrankten Corona-Patienten besteht in der langen Dauer der notwendigen intensivmedizinischen Betreuung. © Tyler Olson - stock.adobe.com

Wobei der ärztliche Direktor der Klinik, Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, im VOLKSBLATT-Gespräch drei zentrale Erfahrungen im bisherigen Verlauf der Corona-Krise aufzählt.

Die Notwendigkeit eines rechtzeitigen Umbaus der Raum- und Organisationsstruktur im Krankenhaus, die Notwendigkeit einer therapeutischen Vernetzung mit den Hausärzten der Region, sowie das Agieren und Bewerten auf Basis konkreter Fakten und nicht auf Basis vermeintlich allgemeingültiger Annahmen.

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Sechs Wochen Vorlaufzeit

So habe man am Krankenhaus Zams schon sechs Wochen vor Auftauchen der ersten Infektionsfälle begonnen, freie Bettenkapazitäten zu schaffen und die organisatorischen Abläufe umzustellen. Ausgangspunkte waren die touristische Vernetzung Tirols mit China und die voranschreitende Ausbreitung in Oberitalien.


„Dieser Vorlauf war für uns als Krankenhaus lebensnotwendig, sonst hätten wir die jetzt erforderlichen Behandlungskapazitäten nicht“, so der Mediziner.

90 Fälle aufgenommen

Mit Stand Montag Mittag hat das Krankenhaus am Corona-Brennpunkt Bezirk Landeck 90 Virus-Fälle in seiner Behandlungsstatistik. Aktuell werden 59 infizierte Patienten betreut, davon 11 mithilfe künstlicher Beatmung auf der Intensivstation.

Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll ©KH Zams

„Dabei haben wir eine gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten der Region, die weitere 60 bis 100 Infektionsfälle in Heimquarantäne behandeln. Wenn wir diese Fälle auch noch hätten, dann hätten wir schon jetzt ein echtes Problem“, zeigt Wöll auf. Und räumt auch gleich mit dem Gerücht auf, die neuartige Infektion sei nur für Ältere ein Gefahrenherd: „Wir haben Corona-Patienten aus allen Altersgruppen. Auch und gerade aus der Jugend. Bei diesen ist oft gar nicht nachvollziehbar, wo sie sich angesteckt haben.“

Was die Behandlung der Corona-Patienten betrifft, hat man in Zams zwei wesentliche Erfahrungen gesammelt: „Es empfiehlt sich eine engmaschige Kontrolle und bei Verschlechterung ihres Zustandes eher früher als später der Beginn einer intensivmedizinischen Versorgung“, so Primar Wöll.

Abrupte Verschlechterung

An dieser Stelle hakt der leitende Intensivmediziner des Krankenhauses Zams, Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder, ein: Dass sich der Zustand eines Corana-Patienten verschlechtert, gehe oft sehr schnell. „Da kommt man in der Früh vorbei und sieht, dass der Zustand eigentlich ganz gut ist. Und am Nachmittag muss dann bereits intubiert werden“, also auf künstliche Beatmung mittels Schlauch in der Luftröhre umgestellt werden.

Auffällig ist laut Hasibeder auch die notwendige Dauer der intensivmedizinischen Betreuung bei Corona-Patienten: „Beim septischen Schock oder einer Darmperforation wird das chirurgisch saniert. Der Patient kann nach fünf bis sechs Tagen Intensivstation extubiert werden. Bei Corona-Patienten dauert das viel länger.“ Es gäbe Fälle mit einer Aufenthaltsdauer von zwei bis drei Wochen auf der Intensivstation.

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