Tirols FPÖ-Chef Abwerzger mit 97,9 Prozent wiedergewählt

Bundesparteichef Kickl schaute beim Tiroler Parteitag vorbei © APA/EXPA/JOHANN GRODER

Etwas weniger als drei Monate vor der vorgezogenen Tiroler Landtagswahl am 25. September ist FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger am Sonntag am Landesparteitag in Schwaz mit 97,9 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt worden. Der 46-jährige Jurist führt die Landespartei seit dem Jahr 2013, es handelt sich um seine dritte Wiederwahl. Abwerzger beschwor eine herbe ÖVP-Schlappe, Bundesparteichef Herbert Kickl sah ihn als möglichen Landeshauptmann.

Bei der letzten Obmannwahl im Jahr 2019 hatte Abwerzger 98,7 Prozent erreicht. Zum Spitzenkandidaten für die Wahl musste der blaue Klubobmann im Landtag nicht mehr gewählt werden, dies hatten vor einigen Wochen schon die höchsten Parteigremien „erledigt“. Die Partei hatte bei der Landtagswahl 2018 15,53 Prozent erreicht. Eine Umfrage prognostizierte ihr zuletzt über 16 Prozent.

In seiner mehr als 30-minütigen Rede vor dem Landesparteitag vor rund 250 Delegierten im Schwazer „SZentrum“ beschwor Abwerzger eine herbe ÖVP-Niederlage bei der Wahl. Nur dann könne das schwarze System überwunden werden, die FPÖ sei der einzige wahre Herausforderer. „Tirol hat sich endlich eine Regierung ohne die Grünen und einen anderen Landeshauptmann verdient“, so Abwerzger. Der FPÖ-Chef sprach vom 25. September als die „Mutter aller Schlachten“. Die FPÖ verfüge über „wunderbare Umfragewerte“, jetzt müsse man die „PS auf die Straße bringen“.

„Wir können, aber wir müssen nicht regieren“, erklärte Abwerzger. Man buhle jedenfalls nicht bei der ÖVP um eine Regierungsbeteiligung wie die anderen Oppositionsparteien: „Ich buhle nicht um die schiachste Braut Österreichs, die Tiroler ÖVP“. Der scheidende ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter sei der „bekannteste Flüchtling Tirols“, er habe sich aus der Verantwortung gestohlen sowie Partei und Land an die Wand gefahren. Sein designierter Nachfolger Anton Mattle sei nur ein „Polit-Zwilling“ Platters. Der legendäre, frühere ÖVP-Landeshauptmann Eduard Wallnöfer würde sich ob des Zustandes der Tiroler ÖVP „im Grab umdrehen“. Wallnöfer würde Mattle als „Zukunftshoffnung den Sozis überlassen“. Platter sei der „pensionsreife Batman“, Mattle der „graue Robin“, spottete der FPÖ-Obmann.

Nach Abwerzger war Kickl am Wort und dieser attestierte seinem Landesparteiobmann sogleich alle Chancen. Nach der Wahl beginne die „Ära von Landeshauptmann Markus Abwerzger“, meinte Kickl in seiner rund einstündigen, teils umjubelten und sehr emotionalen Rede. Er traue es Abwerzger zu, dies sei nicht unmöglich. „Du hast Herz, Hirn und Erfahrung. Und ein fescher Kampl bist auch“, so Kickl. Gleichzeitig ende damit die „Ära des schlechtesten Tiroler Landeshauptmannes aller Zeiten, Günther Platter“, rief Kickl den Delegierten zu. Er wurde am Ende mit „Herbert“-Rufen bedacht.

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Dass der Landeshauptmann möglich sei, habe Jörg Haider einst in den 1980er-Jahren in Kärnten gezeigt. Damals hätten auch alle gelacht, als dieser das LH-Ziel formuliert habe. Dann habe Haider einen „Satz gesagt, den sie nicht hören wollten“, meinte Kickl offenbar in Anspielung auf Haiders damaligen Sager von der „Ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich im Landtag, der dem langjährigen FPÖ-Obmann schließlich die Abwahl bescherte. Schließlich sei Haider aber stärker denn je zurückgekehrt.

Ansonsten ritt auch Kickl massive Angriffe gegen die Tiroler ÖVP und Platter: „Wir sind die einzigen Herausforderer der schwarzen Bagage in Tirol“. Das System Platter müsse am 25. September beendet werden. Er habe Platter seinerzeit kennen, aber nicht schätzen gelernt, erklärte Kickl. Der scheidende Tiroler LH sei ein „politisches Chamäleon“, eine Fahne im Wind und ein „Hasardeur“, weil er durch sein „politisches Gspusi“ mit den Grünen dem Land großen Schaden zugefügt habe. Nun flüchte Platter und versuche den ultimativen Wählerbetrug, denn: „Dort, wo die Grinsekatze Mattle draufsteht, ist der Ungeist des Günther Platter drinnen“.

Die FPÖ könne voller Zuversicht in diese Wahlauseinandersetzung gehen, denn man sei in den vergangenen Corona-Jahren auf der richtigen Seite gestanden – der „Freiheit, Selbstbestimmung, Freiheit und Anständigkeit“. „Das wird eine Wählerwatschn, ein Watschntanz. Tirol wird das erste Land, wo abgerechnet wird. Ihr Tiroler Freiheitlichen setzt die Initialzündung und von Tirol aus wird es eine Kettenreaktion geben“. Die FPÖ sei bereits die „Nummer eins im bürgerlichen Lager“, spielte der FPÖ-Chef auf eine aktuelle Umfrage an. Es handle sich um einen Trend, man habe den Turnaround geschafft. Bei der nächsten Nationalratswahl brauche es dann ein „blaues Erdbeben, dass die Wände wackeln“. Die FPÖ müsse das Kommando übernehmen, alles andere sei bereits probiert worden und „für die Fisch“ gewesen.

Darüber hinaus hatte Kickl beträchtliche Attacken gegen (türkis-grüne) Proponenten auf Bundesebene auf Lager. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sei eine „Mumie in der Hofburg“, eine „Schlaftablette“, die sich „seit Jahren im Wachkoma“ befinde. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) könne einen „Panzer nicht von einem Traktor unterscheiden“, Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) eine „Zwiderwurzn“. „In Russland rennt der Rubel, bei uns brennt die Hütte“, meinte der FPÖ-Obmann in Bezug auf die massive Teuerung. Einmal mehr mahnte Kickl zudem eine neutrale Position Österreichs zum Krieg in der Ukraine ein. Denn man müsse sich endlich den Ursachen für die jetzigen wirtschaftlichen Probleme stellen.

In Sachen Bundespräsidentenwahl vermeldete Kickl indes nichts Neues. Man habe „Manderln und Weiberl“ als mögliche Kandidaten. Und werde denjenigen oder diejenige bald, noch „vor dem Sommer“, rund drei Monate vor der Wahl am 9. Oktober, präsentieren. Man werde einen „vitalen, aufgeweckten“ Kandidaten aufstellen. Einen, der durch einen Wecker in der Früh wach wird und nicht – wie momentan in der Hofburg – durch einen herangekarrten „Defibrillator“, schoss der FPÖ-Chef einmal mehr gegen Van der Bellen.

Die Landespartei versuchte am Parteitag, die gewohnten blauen Stückl’n zu spielen. Fahnenschwenkend – und nachdem eine Blasmusik-Abordnung die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“ sowie die Bundeshymne zum besten gegeben hatte – waren Kickl, Abwerzger sowie weitere Granden unter modernerer Klangteppich-Untermalung in den gut gefüllten Saal geschritten. Dort marschierten später auch die Kindern und Jugendlichen der Innsbrucker Stadtgarde auf, die unter Klängen von DJ Ötzis „Anton aus Tirol“, Hubert von Goisern’s „Brenna tuats guat“, Andreas Gabalier’s „Hulapalu“ oder „Dem Land Tirol die Treue“ Tanzvorführungen aufboten.

Die heftig attackierte Tiroler ÖVP konterte unterdessen mit einem Angriff auf Abwerzger und sprach ihm die politische Unabhängigkeit ab. „Markus Abwerzger, einst stolzer und eigenständiger FPÖ-Obmann, wird von Tag zu Tag mehr zu einem Kickl-Papagei, der einfach nur das nachbetet, was Kickl vorgibt“, ätzte ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf in einer Aussendung. Der Vorarlberger Markus Abwerzger, den er, Wolf, eigentlich persönlich schätze, habe die Tiroler Seele offenbar noch immer nicht verstanden: „Denn Tiroler Stolz ist auf jeden Fall Eigenständigkeit, und nicht FPÖ-Käfighaltung unter einem Dirigent Kickl“.

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