Tirol-Wahl: Oberhofer mit 96 Prozent NEOS-Spitzenkandidat

Ohne die NEOS gehe in Tirol „gar nichts mehr“ © APA/EXPA/JOHANN GRODER

Tirols NEOS-Landessprecher und Klubobmann Dominik Oberhofer ist am Samstag in einer Landesmitgliederversammlung der Oppositionspartei in Innsbruck mit 96 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die vorgezogene Landtagswahl am 25. September gewählt worden. Unmittelbar nach seiner Kür formulierte er einen klaren Machtanspruch und sah sich bereits an den entsprechenden Hebeln: „Wir werden Teil der nächsten Regierung“.

Ohne die NEOS gehe in Tirol „gar nichts mehr“, zeigte sich der Frontmann im Innsbrucker Austria Trend Hotel vor rund 60 Mitgliedern optimistisch. Vor seiner Wahl hatte er in seiner Rede heftige Attacken gegen die ÖVP in Land und Bund geritten: „Die ÖVP hat mit ihrer Politik der letzten Jahrzehnte das nach dem Krieg abgebrochene Wohlstandsversprechen gebrochen“. Auch wirtschaftspolitisch habe die Volkspartei abgedankt: „Die haben von Marktwirtschaft keinen blassen Schimmer“.

Schwarz-Grün in Tirol habe sich mit der Neuwahl aus der Verantwortung gestohlen: „Sie sind am Ende, sie haben hingeschmissen. Wir hingegen sind bereit“. Die Landesregierung habe versagt – in Pandemiemanagement, Kampf gegen die Teuerung und vielen anderen Bereichen.

„Die Zeiten ändern sich. Und wir NEOS ändern die Zeiten. Wir werden den Kindern die Flügel heben“, meinte der Klubobmann in Anlehnung an den ehemaligen pinken Parteichef Matthias Strolz. Gemeinsam werde man Tirol verändern. Die Pinken haben derzeit im Bundesland Grund zu Optimismus: Zuletzt hatte ihnen eine Umfrage 11,5 Prozent ausgewiesen.

Etwa 300 Mitglieder waren aufgerufen, den Spitzenkandidaten und die weiteren Listenplätze zu bestimmen. Auf Platz zwei wurde die Kufsteiner Bürgermeisterkandidatin im heurigen Jahr, Birgit Obermüller, gewählt. Sie war bei der Gemeinderatswahl im Februar in die Stichwahl gekommen und hat nun gute Chancen, in den Landtag einzuziehen. Dahinter folgen Susanna Riedlsperger, Franziska Schumi und der frühere Bürgermeister von Mils bei Imst, Markus Moser.

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Die anwesenden Mitglieder stimmten an Ort und Stelle ab, der Rest votierte online. Die Pinken hatten im Vorfeld einen dreistufigen Vorwahlprozess aufgesetzt. So hatten auch alle wahlberechtigten Tiroler die Möglichkeit, für den Spitzenkandidaten sowie fünf Kandidaten für weitere Listenplätze online zu votieren. Insgesamt hatten laut Parteiangaben über 700 Menschen abgestimmt.

Oberhofer wird die Partei zum zweiten Mal in eine Landtagswahl führen. Die Tiroler NEOS hatten bei der letzten Landtagswahl 2018 5,21 Prozent der Stimmen erreicht und sind seitdem erstmals, mit zwei Mandataren, im Landtag vertreten.

Bundesparteichefin Beate Meinl-Reisinger war am Samstag übrigens nicht in Innsbruck zugegen. Aus Wien angereist war hingegen Generalsekretär Douglas Hoyos.

Eine prompte Reaktion auf die Mitgliederversammlung bzw. Oberhofer-Kür kam von der vielfach angegriffenen Tiroler ÖVP. Deren Klubobmann Jakob Wolf gratulierte dem NEOS-Frontmann zwar zur Wahl, ließ aber ansonsten kaum ein gutes Haar an ihm. Und Wolf will Oberhofer offenbar auch in keinem Regierungsamt sehen. Denn während er etwa den scheidenden pinken Landtagsabgeordneten Andreas Leitgeb persönlich für „absolut regierungstauglich“ halte, so der schwarze Klubchef, habe sich Oberhofer – wiederum für ihn persönlich – „in der Vergangenheit leider vielfach selber mit seinen Aussagen für höhere Ämter disqualifiziert“. „Wer vier Jahre lang täglich neue Weisheiten verkündet, aber absolut nichts umgesetzt hat, sollte am besten vor seiner eigenen Haustüre kehren“, meinte Wolf, der dem NEOS-Spitzenkandidaten in einer Aussendung „absolut kein Gespür“ für eine ausgewogene Sozialpolitik attestierte. Dies sei „erschreckend“.

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