Tirol wird ab Freitag für zehn Tage mit Testpflicht belegt

FB
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Angesichts der starken Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation wird Tirol ab Freitag für zehn Tage zur Testpflichtzone. Wer das Bundesland verlassen will, muss dann einen negativen Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Das hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Dienstagnachmittag in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Ausgenommen davon wird Osttirol. Auch Kinder brauchen keinen negativen Test. Ansonsten gilt die Test-Pflicht auch bei der Durchreise.

Kurz begründete die Maßnahme damit, dass vor allem der Impfstoff von Astra Zeneca bei der südafrikanischen Variante eine deutlich geringere Wirksamkeit zeige. Es müsse alles getan werden, um die Ausbreitung dieser vor allem im Bezirk Schwaz auftretenden Variante in Tirol und auf andere Teile Österreichs zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Die Maßnahme sei mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und der Tiroler Landesregierung abgesprochen, so Kurz.

Kontrolliert wird das Vorhandensein der Tests an den Landesgrenzen von Polizei und Bundesheer. Circa 1.000 Beamte werden im Einsatz sein, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Wer ohne Test erwischt wird, muss mit einer Strafe in Höhe von bis zu 1.450 Euro rechnen.

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Kurz betonte, in Österreich gebe es außerhalb Tirols derzeit nur einzelne Fälle der südafrikanischen Mutation. In Tirol bestehe aber eine „besondere Situation“: „Bisher gibt es 400 Verdachtsfälle, 293 sind bestätigt“ – und mehr als 120 seien derzeit aktiv – „die Masse davon im Bezirk Schwaz“. Daher könne es nur zwei Ziele geben: Erstens die Ausbreitung in Tirol selbst zu verhindern und zweitens „alles zu tun, die Ausbreitung auf andere Teile Österreichs zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen“.

Denn wenn sich die südafrikanische Variante durchsetzen sollte, dann wäre das ein „Horrorszenario“, „weil dann ein Gutteil des Impfstoffes nur sehr eingeschränkt wirkt“. Denn die Hälfte der bis zum Sommer in Österreich erwarteten Impfstoff-Dosen werde von Astra Zeneca kommen. „Wenn das passiert, wirft uns das um Monate zurück.“ Dem Argument, dass die Impfstoffe ohnehin adaptiert werden, um auch gegen die Mutationen wirksam zu werden, hielt Kurz entgegen, dass dies Monate dauern werde: „Wenn sich die Mutationen wie die südafrikanische schnell und stark ausbreiten, kostet das vielen Menschen ihr Leben – und der Weg zur Normalität wird sich noch einmal um Monate verzögern.“

Die Testpflicht bei der Ausreise aus Tirol gilt auch bei der reinen Durchreise durch das Bundesland, wie es auf Nachfrage aus dem Kanzleramt zur APA hieß; auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bestätigte diese Vorgabe.

Kurz sagte angesichts der „emotionalen Debatte“ der letzten Tage, es sei „niemand schuld daran, dass es Mutationen gibt“. Tirol liege bei der 7-Tages-Inzidenz insgesamt unter dem Österreich-Schnitt, betonte der Kanzler. „Aber der Ausbruch der südafrikanischen Variante ist der größte derzeit bekannte in der Europäischen Union und dementsprechend muss er auch bekämpft werden in Tirol – und darüber hinaus auch in Österreich.“ Und der Regierungschef verwies auch auf die möglichen Auswirkungen auf den Tourismus: Urlauber würden dann nicht kommen können, denn ein Gutteil der Europäer werde mit Astra Zeneca geimpft werden.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte zu den Mutationen, die Situation ist „tatsächlich eine ernste“. „Je größer der Anteil der Mutanten am Infektionsgeschehen ist, desto stärker drückt das auch auf den Reproduktionsfaktor“, man sehe bei diesem bereits jetzt eine leichte Steigerung. Dann sei es zu erwarten, dass es auch zu einer Steigerung bei der Zahl der Neuinfektionen insgesamt komme.

Der „Tipping Point“ liege bei einem Anteil von rund 50 Prozent der Mutante am gesamten Infektionsgeschehen. „Wenn das eine dominante Mutation ist, die sich durchgesetzt hat, dann heißt das, dass es auch eine verstärkte Infektionssituation im Land gibt. Deswegen müssen wir begrenzen, alles tun, was möglich ist“ – auch wenn sich derzeit die Zahl der aktiven Fälle insgesamt reduziere. Insgesamt sprach Anschober von einem „guten Paket“ – und verwies auch auf die bereits verkündeten Pläne, etwa Zugangstests zu den Seilbahnen in Tirol vorzuschreiben.

Angesprochen auf die Überlegungen in Bayern, die Grenzen zu Österreich zu schließen, sagte Kurz, es bestehe eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Nehammer und dem deutschen Innenminister Horst Seehofer (CSU). „Es braucht ein gutes Miteinander“, so Kurz.

Dass die Kontrollen erst ab Freitag stattfinden, begründet der ÖVP-Chef damit, dass es eine entsprechend Vorbereitungszeit brauche. „Entschlossenheit ist wichtig, aber Hektik und Chaos sind nicht sinnvoll.“

Laut AGES-Bericht 163 Südafrika-Fälle in Tirol

Inmitten des Streits zwischen Bund und Land Tirol rund um die südafrikanische Mutation hat nun ein vorläufiger der APA vorliegender „Mutations-Bericht“ der AGES neue Zahlen auf den Tisch gelegt. Demnach gab es mit Montag 163 bestätigte Südafrika-Fälle in Tirol und nicht 293 wie zunächst kolportiert. Die AGES verwies auf unvollständige Zahlen. Ebenso ging aus dem Bericht hervor, dass es bisher nur in der Steiermark und in Wien sehr vereinzelt bestätigte Südafrika-Fälle gibt.

So gab es dem AGES-Bericht zufolge in der Steiermark bisher nur eine bestätigte Südafrika-Variante und zwar in der Kalenderwoche vier. Das Militärkommando Steiermark hatte zuvor von zwei Fällen in der obersteirischen Kaserne Aigen im Ennstal gesprochen. Einer der beiden Infizierten hat eine Verbindung zu Tirol. In Wien gab es insgesamt drei Fälle. Zwei davon in der Kalenderwoche zwei und einen in der Kalenderwoche drei. In allen anderen Bundesländern wurden bisher keine Fälle der Südafrika-Variante bestätigt.

Verändert hatten sich vor allem die Zahlen für Tirol. Während am Montag noch von 293 bestätigten Fällen gesprochen wurde, waren in dem AGES-Bericht nun 163 bestätigte Fälle zu finden. Die meisten davon fanden sich im Bezirk Schwaz, wo die Virusvariante auch das erste Mal nachgewiesen worden war. Doch auch in an den Bezirk Schwaz angrenzenden Gemeinden des Bezirks Kufstein trat die Südafrika-Mutation vermehrt auf. Einzelne Fälle schienen auch für den Bezirk Innsbruck-Land und die Landeshauptstadt Innsbruck auf.

Wie diese unterschiedlichen kolportierten Zahlen zustande kamen, konnte man sich auch bei der AGES vorerst nicht erklären. Man verwies gegenüber der APA jedoch auf teilweise unvollständige Zahlen in dem Bericht, die noch ergänzt werden sollten. Eine mögliche weitere Erklärung könnte sein, dass mehrere Proben von ein und derselben Person zunächst als mehrere Fälle gezählt worden waren und die Datenlage mit diesem Bericht nun bereinigt wurde.

Das Land Tirol hatte am Montag jedenfalls bekannt gegeben, dass es im Bundesland insgesamt 180 bestätigte Südafrika-Fälle gab. 165 davon waren bereits durch eine Vollsequenzierung bestätigt und für weitere 15 lag eine Teilsequenzierung vor. Zudem wurde berichtete, dass bei 220 weiteren Fällen eine PCR-Auffälligkeit bestehe, die auf die Südafrika-Variante hindeute.

Wie ist Ihre Meinung?