Tiroler Abwasserspezialist goes Südafrika

Der Tiroler Abwasserspezialist Schell mit Sitz in Telfs goes Südafrika: Als eines von wenigen Unternehmen ausgewählt, die aus der schlimmsten Dürreperiode seit 100 Jahren resultierende Wasserknappheit zu lindern, kann man nun mit vor dem Abschluss stehenden Projekten aufwarten. Das konkreteste betrifft ein Mine nahe Johannesburg, wie Geschäftsführerin Sonja Schell im APA-Gespräch erklärte.

Dabei gehe es darum, Zinkabwasser aus der Mine aufzubereiten, so die Geschäftsführerin des Familienunternehmens. „Pro Tag sind das 100.000 Liter“, veranschaulichte Schell die Dimension des Projekts, für das bereits ein konkretes Angebot gelegt wurde. Während des chemischen Prozesses, bei dem gefährlicher Staub aus Elektrolichtbogenöfen aufbereitet wird, müsse ständig ein Teil des Wassers aus dem Kreislauf entnommen, das heißt verdampft werden, erklärte die Geschäftsführerin. Ansonsten würde sich das Prozesswasser zu viel verdünnen.

bezahlte Anzeige

Das gelegte Angebot beinhaltet laut Schell „drei Mehrstufen-Verdampfer mit jeweils 30.000 Liter“. Die Geschäftsführerin zeigte sich optimistisch, dass das in der finalen Phase befindliche Geschäft bald zum Abschluss gebracht wird und vielleicht noch heuer die erste Anlage nach Südafrika geliefert werden kann. „Das kann sehr schnell gehen“, meinte sie.

Neben der Mine sei man auch mit der „Münze Südafrika“ in einem konkreten Stadium, so Schell, ohne näher auf das sich anbahnende Geschäft eingehen zu wollen. Auch mit dem steirischen Anlagenbauer Andritz befinde man sich in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit. Generell gelte, dass Gespräche und Verhandlungen mit privaten Entscheidern in Südafrika schneller voranschreiten als mit solchen im staatlichen Sektor, betonte Schell. Man sei jedenfalls „sehr stolz“, dort Fuß gefasst zu haben. „Zu verdanken“ hat die Firma das Südafrika-Engagement übrigens der Teilnahme an der sogenannten „Agri Water Challenge“ – organisiert vom AußenwirtschaftsCenter Johannesburg der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), gemeinsam mit der südafrikanischen „Technology Innovation Agency“ und weiteren Partnern. Fünf österreichische Unternehmen wurden ausgewählt, ihre Technologie zu präsentieren, darunter Schell.

Bei den voraussichtlich in Südafrika zum Einsatz kommenden Verdampfern handelt es sich um jene Anlagen, für die das Tiroler Unternehmen seit Jahrzehnten bekannt ist und mit denen es für Furore sorgt: die ECOPRIMA® Vakuumverdampfer, eine Eigenentwicklung. Das immer selbe Prinzip trotz stets unterschiedlicher Maschinen: Aus dem Abwasser wird Wasser herausdestilliert, Chemikalien kommen keine zum Einsatz. Das herausdestillierte Wasser kann vom Kunden in der Regel zum Reinigen, Spülen oder dazu verwendet werden, es in die Kanalisation abzuleiten, erläuterte die Schell-Geschäftsführerin. Der Vakuumverdampfer basiert auf der Technik der Wärmepumpe, die in Kombination mit Vakuum in einer innovativen Geometrie des Siede- und Konzentrationsbereiches eine sehr sanfte Destillation erlaubt. Eine günstigere und noch energiesparendere Alternative besteht zudem, wenn es möglich ist, Abwärme, die vor Ort vorhanden wäre, zu nutzen. Dies erlaube eine enorm umwelt- und ressourcenschonende Aufbereitung industrieller Abwässer und helfe den Kunden, Geld zu sparen.

Schell-Abwasseraufbereitungsanlagen stehen bereits in 34 Ländern der Welt. 45 Mitarbeiter umfasst das Unternehmen mit zwei Tochtergesellschaften in Russland und Italien. Zu den heimischen Kunden zählen Unternehmen wie Swarovski, MIBA, Plasser & Theurer, EVVA, Gaulhofer, die Österreichische Staatsdruckerei und die Österreichische Nationalbank. Im Jahr 2015 konnte man mit den ECOPRIMA® Vakuumverdampfern bei der Österreichischen Münze in Wien den Europäischen Award für Technische Innovationen in Paris gewinnen.