Tiroler Kupferfirma sieht Hürden bei Kreislaufwirtschaft

Der Tiroler Kupferproduzent Montanwerke Brixlegg sieht sich als Vorreiter in puncto Kreislaufwirtschaft, fühlt sich aber von Bund und EU ungenügend unterstützt. Vorstand Uwe Schmidt sprach im APA-Interview von „zahlreichen Steinen“, die ihnen in den Weg gelegt würden. Die Novelle des hiesigen Abfallwirtschaftsgesetzes etwa, die den Abfalltransport auf die Schiene bringen will. Oder dass es anderen Regionen, vor allem China, erlaubt werde, in Europas „urbanen Minen“ zu graben.

Seit 1977 wird im Werk in Brixlegg, Europas kleinster Kupferproduktion, nur Schrott verarbeitet – man spricht von „Upcycling“. Weltweit werden rund 25 Mio. Tonnen Kupfer pro Jahr produziert – vier Millionen davon in Europa (inklusive Russland). Nur 16 Prozent davon werden recycelt. Der Umstand, dass zu 100 Prozent recycelte Materialien verarbeitet werden und der Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, führen zum – Unternehmensangaben zufolge – weltweit niedrigsten CO2-Fußabdruck der Branche.

Im Durchschnitt schlage die Produktion einer Tonne Kupfer mit einem CO2-Ausstoß von mehr als vier Tonnen zu Buche, führte CCO (Chief Commercial Officer) Schmidt aus. Die Montanwerke liegen nach Angaben der Vorstände mit einem Wert von 0,74 Tonnen CO2 pro Tonne Kupfer deutlich darunter. Die Berechnungen fußen auf Daten aus dem Jahr 2020. Als das Ergebnis im Februar 2022 vorlag, habe die Verkündung „ein Erdbeben in der Kupferindustrie ausgelöst“, berichtete der Montanwerke-CCO: „Damit hatte keiner gerechnet – dass man heutzutage schon so niedrig sein kann.“

„Wir sind zwar stolz, dass wir das erreicht haben, aber wir haben nichts davon“, fuhr Schmidt fort. Der „Klimavorteil“ könnte künftig allerdings durch höhere Preise für die Käufer berücksichtigt werden, so seine Überlegung. Auf dem Weg zur klimaneutralen Industrie müsse sich schließlich jeder Betrieb rohstoffliche Transparenz verschaffen. Wesentlich sei die Feststellung des Recycling-Anteils zugekaufter Materialien, hielt Schmidt fest.

Für das Geschäftsmodell würden die Montanwerke Brixlegg viel positive Rückmeldung erhalten, oft würde ihnen gesagt, sie befänden sich auf dem richtigen Weg. Anstelle von Unterstützungen und Förderungen – die er vor allem nach Verkündung des Europäischen „Green Deal“ im Dezember 2019 erwartet hatten – würden ihnen aber „nur Steine in den Weg gelegt“, kritisierte Schmidt.

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„Der dickste Stein aus Wien“, führte das Vorstandsmitglied aus, sei die Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz, die Lieferanten ab 2023 dazu zwinge, den Transport aller Abfälle mit einer Last von mehr als elf Tonnen (zum Vergleich: ein Lkw fasst rund 25 Tonnen, Anm.) über die Schiene abzuwickeln. „Ökologisch zu begrüßen, aber nicht zu Ende gedacht“, kommentierte Schmidt, denn für viele Schrott-Lieferanten würde sich der Weg nach Brixlegg dann schlicht und einfach nicht mehr lohnen.

Auf EU-Ebene kritisierte Schmidt den uneingeschränkten Handel mit Abfällen. „Wir leben davon, dass wir aus den Abfällen Rohstoffe herausholen und wieder in den Kreislauf bringen“, erklärte Schmidt das Konzept der Kreislaufwirtschaft (englisch „Circular Economy“). Die Montanwerke Brixlegg AG verarbeitete im Jahr 2019 181.300 Tonnen an recycelten Rohstoffen. Dieses Geschäftsmodell würde auf EU-Ebene allerdings dadurch torpediert, dass es anderen Regionen erlaubt werde, in Europas „urbanen Minen“ zu graben, hielt Schmidt fest. Dadurch würden der EU „wertvolle Ressourcen entzogen“.

„Die Chinesen kaufen unter Bedingungen, die für uns schlicht nicht machbar sind“, wurde Schmidt konkreter. Dass Europa in chinesischen „urbanen Minen“ gräbt, sei indes rechtlich nicht möglich. „Fair ist das, was die Chinesen am Rohstoffmarkt machen, nicht“, lautete Schmidts Fazit. Er schlug deshalb vor, den Export von Rohstoffen nach Asien an Bedingungen zu knüpfen. „Es müsste sichergestellt werden, dass sie nach den gleichen Standards wie hier in der Europäischen Union weiterverarbeitet werden“, verwies Schmidt auf die hohen Umweltauflagen. Dies könnte in die EU-Abfallverbringungs-Verordnung einfließen. So würde der freie Handel gewährleistet, gleichzeitig aber kein wirtschaftlicher Nachteil für in Europa ansässige Unternehmen entstehen.

Kopfzerbrechen bereiteten dem Vorstand momentan auch die steigenden Energiepreise. Der hohe Strombedarf wird ausschließlich aus lokaler Wasserkraft gedeckt, ließ Schmidt wissen – 20 Prozent davon aus eigenen Kraftwerken. Hohe Energiepreise machen aber auch dem Tiroler Unternehmen zu schaffen, wie Finanzvorständin Gabriele Punz-Praxmarer im APA-Gespräch anmerkte. Die Energiepreisentwicklung habe zu „erheblichen Mehrkosten geführt“. Schlussendlich werde sich dies auf die Endkonsumenten auswirken, waren sich die beiden Vorstandsmitglieder einig. „Die Preise werden weiter steigen“, so die Prognose.

Die Montanwerke Brixlegg AG blickt auf eine 550-jährige Firmengeschichte zurück und beschäftigt aktuell 375 Mitarbeiter am Tiroler Standort. Im Wesentlichen produziert das Unternehmen hochreine Kupferkathoden sowie andere Kupferformate, Edelmetalle, Nickelsulfat und Spezialprodukte für unterschiedliche Anwendungsgebiete. Der Exportanteil liegt bei über 80 Prozent. Im Jahr 2020 erwirtschaftete das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von 829,7 Mio. Euro, um 4,4 Prozent mehr als im Jahr 2019.

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