Tochter als Lebensretterin: Wusste, es wird wieder gut

Erste-Hilfe-Kurs war ausschlaggebend: 15-jährige Innviertlerin holte ihren Vater (45) nach Herzstillstand mit Herzmassage ins Leben zurück

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V. l.: Sanitäter Thomas Wallner, Johannes G., Tochter Hanna, ihr Großvater Ernst und Sanitäter Daniel Wallner. © OÖRK/Hartl

KOPFING — Es war der 18. Dezember, kurz vor Weihnachten 2017, an dem ein Notfall das Leben einer Innviertler Familie aus Kopfing um ein Haar zerstört hat — wäre da nicht die 15-jährige Tochter gewesen! Hanna saß beim Frühstück, als ihre Oma in die Küche lief. „Papa liegt leblos im Stall“, rief sie nur. Für den 45-jährigen Landwirt Johannes G., der an einem genetischen Herzfehler leidet, hatte der Arbeitstag schon sehr früh begonnen: Er fuhr für den Winterdienst, trieb dann die Kühe aus dem Stall. Für sein Herz war das zu viel — wie aus dem Nichts sackte er plötzlich beim Melkstand zusammen. Tochter Hanna reagierte sofort, machte beim Vater einen „Body-Check“: „Er hatte einen ganz schwachen Puls und um Luft gerungen. Ich hab sofort gewusst, was ich tun muss“, erzählt sie. Und Hanna wendete ihr Wissen, das sie im Jahr davor bei einem Erste-Hilfe-Kurs in der Schule gelehrt bekommen hatte, an. Abwechselnd mit ihrem Opa führte sie eine Herzmassage durch, zeigte dem Senior auch noch, wie es richtig geht. „In dem Moment hab ich alles sachlich gesehen“, sagt sie. Aber sie habe auch immer gewusst: „Es wird sowieso wieder alles gut!“ Sieben Minuten nach dem Notruf waren die Rotkreuz-Sanitäter vor Ort und konnten den Defibrillator anschließen. Dass die Ersthelfer vor Ort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, sei eher selten, so Sanitäter Thomas Wallner.

Nur jeder Dritte hilft

Dabei sei dies so wichtig, betont auch Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger. „Das sind Minuten, die über Leben, Tod und Folgeschäden entscheiden“, sagt er. Doch Studien zeigen: Nur jeder Dritte ist bereit, im Notfall zu helfen. Die Angst, etwas falsch zu machen, schreckt den Großteil jener, die nicht helfen, ab. Gleichzeitig machen sich jene, die in Notsituationen nicht geholfen haben, oft lebenslang Vorwürfe. Die Wahrscheinlichkeit, zu einem Ersthelfer zu werden, ist jedenfalls hoch: 80 Prozent der Notfälle passieren im familiären oder im Arbeitsumfeld.

Kurse starten landesweit

Um immer mehr Landsleute „Erste-Hilfe-fit“ zu machen, starten am 14. März landesweit an allen Ortsstellen 16- und 8-Stunden-Kurse. Infos dazu gibt es unter www.erstehilfe.at. „Die Anfängerkurse sind meist gut besucht, nur bei den Auffrischungskursen, die alle vier Jahre durchgeführt werden sollen, ist noch Nachholbedarf, sagt Aichinger.

Für Hanna und ihren Vater, dem es dank seiner Medikamente heute besser geht, als vor dem Herzstillstand, war die Ausbildung jedenfalls nicht mit Geld aufzuwiegen: „Ich wäre heute nicht mehr da, wenn sie nicht gewesen wäre“, ist Johannes G. stolz auf seine Tochter.

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