Todesstrafen-Fan gewinnt Wahl in Tunesien

Tunesiens neuer Präsident Saied: Für Todesstrafe und gegen öffentliche Zärtlichkeit.
Tunesiens neuer Präsident Saied: Für Todesstrafe und gegen öffentliche Zärtlichkeit. © AFP/Belaid

Ein Endergebnis der Präsidenten-Stichwahl vom Sonntag liegt zwar noch nicht vor, die Nachwahlbefragungen sind aber so eindeutig, dass schon feststeht: Der erzkonservative Verfassungsrechtler Kais Saied hat einen Erdrutschsieg eingefahren. Nach einer Befragung von Emrhod Consulting kommt er auf 72,5 Prozent der Stimmen. Der bis vor kurzem inhaftierte Medienunternehmer Nabil Karoui schaffte demnach nur 27,5 Prozent.

Saied ist für streng konservative Ansichten bekannt: Er befürwortet die Todesstrafe ebenso wie die Kriminalisierung der Homosexualität. Auch, dass unverheiratete Paare in der Öffentlichkeit keine Zärtlichkeiten austauschen dürfen, findet er vollkommen richtig. Trotzdem wurde er laut Umfragen vor allem von jungen Tunesiern und Akademikern gewählt.

Der 61-Jährige Jus-Professor trat zwar als unabhängiger Kandidat an – nach seinem Sieg bei der ersten Wahlrunde im September kündigte aber die Ennahda-Partei an, ihn bei der Stichwahl zu unterstützen. Die gemäßigt islamistische Partei hat vor einer Woche die Parlamentswahlen gewonnen und sich 52 der 217 Sitze gesichert.

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