Tödlicher Terrassensturz: Wiener Rechtsanwalt freigesprochen

Im Zusammenhang mit dem Tod eines 35 Jahre alten Wiener Rechtsanwalts, der in der Nacht auf den 15. August 2018 im Drogenrausch von seiner Dachterrasse in den Tod gestürzt ist, ist ein langjähriger Freund des Mannes am Donnerstag am Landesgericht freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten – von Beruf ebenfalls Anwalt – Imstichlassen eines Verletzten vorgeworfen.

Wie Gerichtssprecherin Christina Salzborn der APA mitteilte, erfolgte der Freispruch mangels Feststellbarkeit eines Vorsatzes, der für eine Verurteilung erforderlich gewesen wäre. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Staatsanwältin Caroline Czedik-Eysenberg gab vorerst keine Erklärung ab.

Sie hatte dem Angeklagten – ein enger Freund des Verstorbenen – angekreidet, dieser habe es unterlassen, jenem die erforderliche Hilfe zu leisten, nachdem er ihn mittels Überlassen von LSD an der Gesundheit geschädigt hätte. Nach dem Konsum des Halluzinogens sei der 35-Jährige in einen „massiven Rauschzustand“ mit „erheblichen Wahrnehmungsstörungen“ verfallen. Dennoch habe der Angeklagte den vom Suchtgift Beeinträchtigten alleine mit einem Taxi nach Hause fahren lassen, wo dieser dann von seiner Terrasse in den Tod gestürzt sei.

Der Angeklagte hatte sich vehement „nicht schuldig“ bekannt. Der unter tragischen Umständen ums Leben Gekommene sei zwar nicht an LSD, aber an Marihuana und Kokain gewöhnt gewesen, betonte der Jurist, der von der Rechtsanwaltskammer vorübergehend gesperrt wurde, nachdem die Staatsanwaltschaft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hatte. Die beiden Juristen hatten sich während des Studiums kennengelernt. Es habe sich „eine intensive Freundschaft, die zugegebenermaßen sehr viel vom Feiern getragen war“, entwickelt, gab der Angeklagte zu Protokoll. Der Freund sei ein erstklassiger Jurist mit einem messerscharfen Verstand gewesen. Zugleich habe er aber ein hohes „Feierbedürfnis“ gehabt.

Dabei dürfte auch der Angeklagte kein Kind von Traurigkeit gewesen sein. Wie er dem Richter freimütig darlegte, habe er „in der letzten Oberstufe“ mit Marihuana begonnen, „in den frühen Studienjahren“ auf Kokain umgesattelt und „ab 2007“ auch mehrfach LSD konsumiert: „In Tröpfchenform, mit einer Pipette. Auf einem Stück Würfelzucker oder in einem kleinen Schnapsglas, aufgelöst in einem Glas Wasser“. Zur Wirkung befragt, entgegnete der Angeklagte: „Jedes Mal ein voller Rausch.“ Kontrollverlust sei bei ihm aber keiner eingetreten, im Gegenteil: „Es war stets eine bereichernde, heilende Erfahrung.“

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Sein Freund habe diese Erfahrungen teilen wollen und ihn wiederholt auf LSD angesprochen. Als sich die beiden am Abend des 14. August 2018 trafen, habe er ihm daher den Stoff offeriert. Der Freund habe ihn zunächst auch gut vertragen, bei einer Party am Stadtrand „sehr ruhig, sehr entspannt“ gewirkt, nach einer Unterhaltung mit südamerikanischen Frauen, die ihn „geneckt“ hätten, aber plötzlich gehen wollen. Als der Freund nach Hause fuhr, sei er ihm nicht hilfsbedürftig erschienen, bekräftigte der Angeklagte. „Nicht in meinem schlimmsten Albtraum habe ich daran gedacht, dass sich die Kombination LSD und Dachterrasse auswirken könnte“, hatte er beim Prozessauftakt am vergangenen Dienstag betont.

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