Tönendes Kleeblatt der Künste

Furioser Auftritt des Bruckner Orchesters unter Poschner

Führte seine Musiker injeder musikalischen Lage glänzend: Bruckner Orchester-Chefdirigent Markus Poschner.
Führte seine Musiker injeder musikalischen Lage glänzend: Bruckner Orchester-Chefdirigent Markus Poschner. © Reinhard Winkler

Seinen diesjährigen, freilich von Corona fragmentierten Konzertzyklus schloss das Bruckner Orchester am 5. Juni im Linzer Brucknerhaus mit einem originellen Programm furios ab.

Dessen Eckpunkte, Richard Strauss´ berühmte Tondichtungen „Don Juan“ und „Till Eulenspiegel“, gaben dem Abend zwar die Überschrift, umschlossen aber deutliche Kontraste: Debussys „Nachmittag eines Fauns“ und György Ligetis „Melodien für Orchester“.

Affinität zu Literatur und bildender Kunst

Trotz dieser spannenden Gegensätze zog sich die Affinität zu Literatur und bildender Kunst wie ein roter Faden durch das vierteilige Konzert, so dass dessen Charakterisierung als „Tönendes Kleeblatt der Künste“ nicht weit hergeholt zu sein scheint.

Wie das? Bei Don Juan und Eulenspiegel ist der literarische wie bildnerische Hintergrund wohl offensichtlich; Debussys epochales Werk, die erste wahrlich „impressionistische“ Musik – ein Jahr vorm spätromantischen „Till Eulenspiegel“ uraufgeführt! —, ist eben eine „Impression“ zu Mallarmés gleichnamigem Gedicht; aber bei Ligeti wird´s kompliziert: Offiziell komponierte er seine „Melodien für Orchester“ zum Albrecht-Dürer-Jubiläum 1971.

Es scheint ihm aber im Zuge der klanglich und rhythmisch äußerst vielschichtigen, diffizil polyphonen Komposition auch die Wirkung von „metallisch in vielen Farben und Schattierungen“ schimmernden Mosaiken Gustav Klimts strukturell vorgeschwebt zu sein. Das für Ligeti transparent besetzte Orchester machte diesem alle Ehre; seinen „Melodien“ nachzuspüren, war allerdings für die Zuhörer nicht ganz einfach.

Umso melodiöser erklang Debussy, dessen faunischer Klangteppich wunderbar ausgebreitet wurde. Die Soloflöte spielte ihre Hauptrolle fein und makellos, im Ausdruck aber von ausufernden sinnlichen Träumen des Fauns doch etwas entfernt.

Die klangfarbenreiche Oboe mag die Gedanken des Fabelwesens schon eher imaginiert haben. Auch im aufbrausenden „Don Juan“ des Konzertbeginns setzte der Oboensolist dem Mittelteil ein Glanzlicht auf. Ebenso leistete die Horngruppe, allen voran das erste Horn, in beiden Strauss-Werken Großartiges.

Husarenritt zwischen Klangwelten

Markus Poschner wusste in seinem Dirigat alle dynamischen und agogischen Möglichkeiten effektvoll zu nützen, und dies dem sehr unterschiedlichen Charakter der einzelnen Stücke voll entsprechend; ein Husarenritt zwischen den Klangwelten eines Ligeti, Debussy und Strauss.

Die sanfte, tröstliche Schluss-Apotheose des Till könnte auch für das ganze Konzert gelten: Die Gesamtinterpretation, die Leistungen des Orchesters, der Solisten, des Dirigenten und letztlich die eindrucksvoll skizzierte Vielfalt der Musik wurden am Ende kräftig bejubelt.

Wie ist Ihre Meinung?