Topgewerkschafter an Regierung: Rettet den Tourismus

Die westösterreichischen Spitzengewerkschafter haben angesichts der Schließung von Hotels und Restaurants bis 7. Jänner in einem offenen Brief an die Regierung und die jeweiligen Landeshauptleute um Hilfe für die betroffenen Arbeitnehmer gerufen. Menschen, die keine Kurzarbeit in Anspruch nehmen konnten, sondern ihren Job verloren haben, müssten jetzt mit 55 Prozent ihres Nettoeinkommens auskommen. Das Arbeitslosengeld solle umgehend auf 70 Prozent erhöht werden.

Schließlich seien die Lebenshaltungskosten in Salzburg, Tirol und Vorarlberg sehr hoch, so die Landesvorsitzenden des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) Salzburg, Tirol und Vorarlberg in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben. Weiters forderten die Gewerkschafter, die Nachtruhe wieder auf elf Stunden auszudehnen. Die Verkürzung der Nachruhezeit auf acht Stunden, die die letzte Arbeitsrechtsreform nebst anderen Verschlechterungen mit sich gebracht habe, wirke sich negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus. Um dem massiven Fachkräftemangel entgegenzuwirken, brauche es eine Investition in Bildung und Ausbildung. Die Möglichkeiten, die diesbezüglich mit der Kurzarbeit III geschaffen wurden, seien begrüßenswert.

Die Entwicklung im Bereich Beherbergung und Gastronomie betrachten die ÖGB-Länderchefs mit großer Sorge. „Unsere drei Bundesländer sind wirtschaftlich in ganz besonderer Weise durch den Tourismus geprägt“, erinnern sie. Zwischen acht und 15 Prozent der Beschäftigten in Tirol, Salzburg und Vorarlberg seien im Bereich Hotellerie, Beherbergung und Gastronomie beschäftigt. Hinzu kämen all jene Arbeitsplätze, die in anderen Wirtschaftsbereichen wie der Bauwirtschaft oder dem Handel durch den Tourismus entstanden seien. Nicht nur die betroffenen Betriebe bräuchten Unterstützung, sondern eben auch die Arbeitnehmer. Vonnöten sei zudem eine langfristige Strategie für die von der Coronakrise so stark betroffene Tourismusbranche.

Für den Obmann des Fachverbandes der Österreichischen Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, Franz Hörl, ist unterdessen die Situation der Branche ungeachtet der in Aussicht gestellten Öffnung der Skigebiete für Einheimische mit 24. Dezember alles andere als eitel Wonne. Vor allem dass die Berggastronomie bzw. Skihütten auch dann nicht aufsperren dürfen, mache eine Öffnung der Seilbahnen aus Sicherheitsüberlegungen „schwieriger“, sagte Hörl im APA-Gespräch.

Wie viele Seilbahnen mit 24. Dezember tatsächlich aufsperren und wie viele wegen der Berggastronomie-Problematik geschlossen bleiben könnten, wollte Hörl vorerst nicht abschätzen: „Das ist Kaffeesudleserei“. Man werde nun die genaue Verordnung abwarten und bis kommende Woche mit allen Verantwortlichen vor Ort – unter anderem der Bergrettung – beraten. Wenn es keine Möglichkeit gebe – vor allem in höhergelegenen Skigebieten – sich am Berg in einer Hütte „aufzuwärmen“, stelle dies ein „hohes Risiko“ dar. Bei einer Öffnung der Seilbahnen stelle sich dann schon die Frage der Gemeingefährdung. Es gebe aber generell den „unbedingten Willen“, am 24. Dezember zu starten, fasste Hörl die Stimmung unter den Seilbahnbetreibern zusammen.

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Dass die Touristen noch bis zumindest Mitte Jänner ausbleiben werden, stelle für den Wintertourismus – vor allem in Westösterreich – eine „mittlere Katastrophe“ dar, so der Seilbahn-Chef und Zillertaler Hotelier. Schuld sei aber nicht die schwarz-grüne Bundesregierung, sondern ganz einfach die nach wie vor zu hohen Infektionszahlen und die Situation auf den internationalen Märkten aufgrund der Reisewarnungen. „Die Bundesregierung hat sich maximal angestrengt“, konstatierte der ÖVP-Politiker und verwies auf die entsprechenden Fördermaßnahmen.

„Ein Drittel“ der Wintersaison könne man wertschöpfungsmäßig abschreiben, gab Hörl zu. Er hoffe aber, dass man dann mit Mitte Jänner richtig losstarten und kostendeckend wirtschaften könne – mit Touristen.

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