Touristiker: Österreich-Urlaub trotz Grenzöffnungen hoch im Kurs

Die Reisebeschränkungen der letzten Monate werden zunehmend gelockert, trotzdem haben die Österreicher großes Interesse an Urlaub „daheim“, sind die heimischen Touristiker überzeugt. Themen wie Regionalität und Sicherheit haben an Bedeutung gewonnen und könnten dem österreichischen Tourismus in die Hände spielen, geht aus einer am Mittwoch präsentierten Umfrage hervor.

Laut der Umfrage planen 61 Prozent der Befragten, die im Sommer auf Urlaub fahren wollen, diesen in Österreich zu verbringen. „Der Österreich-Urlaub ist eine neue Option“, sagte Meinungsforscherin und Studienautorin Sophie Karmasin. Zum Umfragezeitpunkt Ende April fehlte vielen aber noch der „finale Anstoß“ zur Buchung. Als Notlösung werde Urlaub in Österreich nicht gesehen, betonte Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, bei der Pressekonferenz.

Die Corona-Krise habe auch langfristig zu „gravierenden gesellschaftlichen Wertveränderungen“ geführt, sagte Karmasin. Demnach seien die Themen „Freiheit, Natur, Miteinander und Sicherheit“ nun wichtiger, wobei sich letzteres vor allem um die Vermeidung einer Ansteckung drehe. Auch Regionalität und Nachhaltigkeit würden wichtiger, davon könnte der heimische Tourismus profitieren, so Karmasin.

Für die Studie wurden über 1.200 Österreicher und Österreicherinnen befragt. Die Ergebnisse der Umfrage, die im Auftrag der Bundesländer und der Österreich Werbung durchgeführt wurde, hätten längerfristig Gültigkeit, Grenzöffnungen würden da nicht viel ändern, meint Karmasin. Auch die Österreichische Hoteliervereinigung sieht trotz zunehmender Reisefreiheit eine deutlich höhere Nachfrage von Österreichern nach Urlaub im eigenen Land.

Die heimische Tourismusbranche will die neuen Kunden nun langfristig binden. „Neugäste zu begeisterten Stammgästen zu machen“, lautet die Devise, so Leo Bauernberger, Geschäftsführer von SalzburgerLand Tourismus und Sprecher der Landestourismusorganisationen. Auch bei den Jungen könne man jetzt punkten, vor allem mit den Themen Natur, Freiheit, Outdoor und Bewegung.

Bauernberger selbst ist mittlerweile „deutlich optimistischer als vor einem Monat“, die Zuversicht bei den Tourismusbetrieben steige. Es gebe nun auch zunehmende Anfragen aus Ländern wie Tschechien und den Niederlanden. Wichtig sei, nicht nur Werbekampagnen, sondern auch Informationen und Fakten bereitzustellen, „um das Sicherheitsbedürfnis der Gäste anzusprechen“, sagte Stolba. Dass Österreich die Corona-Krise gut gemeistert habe, könne ebenfalls Auslandsurlauber anlocken.

Bei den Hoteliers häufen sich jedenfalls die Anfragen zu Sicherheit und Hygienemaßnahmen, berichtete Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Martha Schultz. Positiv seien in diesem Zusammenhang die hohen Hygienestandards in Österreich. Zudem seien die Hoteliers bei Stornierungen zurzeit so kulant wie noch nie.

Langfristig könnte auch das 1-2-3-Öffi-Ticket positive Impulse für den heimischen Tourismus bringen, so Schultz. Es brauche aber noch Lösungen für die letzten Kilometer, vor allem im ländlichen Raum. Bauernberger plädierte für eine verstärkte Rad-Nutzung, im städtischen Bereich müsse dafür noch mehr Platz geschaffen werden. Die letzten drei Monate haben da allerdings einiges beschleunigt, viele Städte bauen etwa ihre Radwege aus.

Großveranstaltungen werde es noch länger nicht geben, erwartet Stolba. Man probiere momentan aber „Hybride“ aus, zum Beispiel Kongresse, die vor Ort und online besucht werden können.

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