Training für den Beckenboden

Der Beckenboden wird meist erst wahrgenommen, wenn er seine wichtigste Funktion, die bewusste Steuerung von Harn- und Stuhlgang, nicht mehr erfüllen kann. Sinnvoll ist es, schon in jungen Jahren mit einem gezielten Training, dem entgegenzuwirken.

Gezieltes Muskeltraining an der Beckenbodenmaschine von Kieser Training z. B. im Studio in Linz kann helfen, eine leichte Belastungsinkontinenz zu reduzieren. Das zeigt eine Untersuchung, die die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften am Stadtspital Triemli durchgeführt hat. © Kieser Training AG/Meier

Der Beckenboden wird meist erst wahrgenommen, wenn er die bewusste Steuerung von Harn- und Stuhlgang nicht mehr erfüllen kann. Dabei ist das System aus Muskeln und Bindegewebe, das die Bauchhöhle nach unten hin abschließt, mit vielen Körperregionen unmittelbar verbunden. Bauch- und Rückenmuskeln, Blase und Enddarm, Gebärmutter und sogar die Lunge arbeiten mit dem Beckenboden zusammen und unterstützen seine Aufgaben. Grund genug, der „Hängematte“ im Becken schon frühzeitig Aufmerksamkeit zu widmen.

„In jungen Jahren ist man sich der Arbeit des eigenen Beckenbodens nicht bewusst, weil er seinen Job unwillkürlich erledigt. Wir merken nicht, dass die Muskeln und Gewebeplatten die Organe im Bauchraum an ihren Plätzen halten, Urin und Stuhl nur dann freigeben, wenn wir das aktiv wollen und für eine erfüllte Sexualität sorgen. Viele Bewegungsgewohnheiten führen jedoch schon früh dazu, dass der Beckenboden geschwächt wird“, informiert Oberarzt Thomas Duscha vom Beckenboden-Team der Gynäkologie und Geburtshilfe im LKH Freistadt.

Schweres Heben setzt dem Beckenboden zu

Schweres Heben, Übergewicht, starke körperliche Arbeit, genetische Veranlagung, Fehlhaltungen, schwache Bauch- und Rückenmuskeln, chronischer Husten – all das kann Probleme mit dem Beckenboden verursachen. „Frauen jeden Alters sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen. Generell ist der Beckenboden bei Frauen anatomisch weniger kompakt als bei Männern. Schwangerschaft, Geburt und Wechsel sind weitere Belastungsfaktoren. In diesem Wissen macht eine regelmäßige Vorsorge durchaus Sinn“, betont Duscha und ergänzt: „Oft sind es ganz simple Gewohnheiten, wie eine gerade Haltung oder ein korrekter Gang, die die Basis für ein starkes Becken bilden. Spätestens nach der Geburt sollte aber jede Frau an ein aktives Beckenbodentraining denken.“
Werden die ersten Warnzeichen, wie leichter Harnverlust beim Lachen oder Niesen ignoriert, kann es in weiterer Folge auch zu einer Gebärmuttersenkung oder gar zu einem Gebärmuttervorfall kommen. Besonders unangenehm und tabubelastet ist auch die Stuhlinkontinenz.

„Viele Betroffene kommen viel zu spät zu uns, meist aus Scham. Dabei kann oft schon mit kleinen Veränderungen die Lebensqualität wieder gesteigert werden. Die Maßnahmen reichen von Elektrostimulation über Beckenbodentraining und Lebensstilberatung bis hin zur Verordnung guter Kontinenz-Materialien. In seltenen Fällen ist auch ein operativer Eingriff nötig“, so Gynäkologie-Primar Peter Neuner.

Damit es nicht soweit kommt, können schon einfache Änderungen der täglichen Routine helfen wie Physiotherapeutin Maria Horner weiß: „Beim Heben schwerer Gegenstände sollte man den Beckenboden anspannen und immer aus den Knien heraus heben. Aufrechtes Sitzen unterstützt ebenso, da dadurch die Rumpfmuskulatur aktiviert wird, die eine gute fasziale Verbindung zum Beckenboden hat. Kündigt sich ein Husten- oder Niesanfall an, hilft es, die Beckenboden- und Bauchmuskulatur anzuspannen und sich aufzurichten, damit ein Harn- oder Stuhlverlust vermieden werden kann. Ein gezieltes Training bei dem gelernt wird, wie die verschiedenen Muskelfasern des Beckenbodens angespannt werden können, sollte zusammen mit Physiotherapeuten erarbeitet werden.“

Vortrag: Ein Vortrag des Beckenboden-Teams vom LKH Freistadt spannt am 26. Februar um 18:30 Uhr im Salzhof, Freistadt einen weiten Bogen von der jungen Mutter bis ins hohe Alter und gibt wertvolle Tipps.

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