Training nach Corona – aber wie?

Bernhard Schimpl
Foto: Privat

„Die Anfragen werden immer mehr, die Menschen sind verunsichert“, sagt Sportwissenschafter Bernhard Schimpl, der aktuell vier Hobbysportler betreut, die an Covid-19 erkrankt waren. Wichtig sei – unabhängig von der Schwere der Symptome – eine Abklärung durch den Arzt und dann die Adaptierung des Trainingsalltags und ein entsprechender Aufbau. Das VOLKSBLATT hat mit dem 55-jährigen Linzer, der auch für Fußball-Zweitligist Blau-Weiß Linz tätig ist, die wichtigsten Fragen in Bezug auf den Wiedereinstieg in den Sport nach einer Corona-Infektion erörtert.

 

Wie kann sich Corona auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken?

BERNHARD SCHIMPL: Grundsätzlich ist sie reduziert, weil der virale Infekt den Körper an verschiedenen Stellen unter Stress setzt, das kann bei Corona typischerweise die Lunge sein, die stark betroffen ist, oder aber auch der Herzmuskel. Mit diesen Belastungen ist es dann schwierig, rasch wieder eine normale Leistungsfähigkeit zu erreichen. Die Heranführung an eine normale Beanspruchung sollte systematisch erfolgen und nicht schlagartig.

Wann kann/soll ich nach einer Covid-19-Infektion den Sport wieder aufnehmen?

Das hängt mit der Schwere des Verlaufs ab. Man kann davon ausgehen, dass milde Symptome die Belastbarkeit nicht so sehr einschränken. Das haben wir beispielsweise auch bei unseren Fußballspielern in dieser Form gesehen.

Was ist zu beachten, wenn ich wieder zu trainieren anfange?

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Wenn man die Freigabe vom Arzt hat, gilt es aus meiner Sicht mit Ausdauertraining zu beginnen – also aerob Einheiten zu absolvieren, Krafttraining kann erst etwas später begonnen werden und nicht mit hohen Serienzahlen oder Lasten. Am Beginn sollten Übungen mit dem eigenen Körpergewicht stehen. Es gilt prinzipiell freie Radikale (hochreaktive, sehr aggressive, chemische Sauerstoffmoleküle/Anm.), die bei hoher Belastung entstehen, zu vermeiden. Grundsätzlich empfiehlt es sich auf den Ruhepuls am Morgen zu achten. Wenn dieser erhöht ist, dann ist die Belastbarkeit noch immer gering. Aber Achtung: Auch beruflicher Stress kann den Ruhepuls verfälschen. Voraussetzung ist natürlich, den üblichen Ruhepuls zu kennen.

Angenommen man hat zum Beispiel nur kurz Fieber, testet sich ehestmöglich frei und geht am selben Tag noch sporteln – ohne ärztliche Abklärung.

Ein gesundheitliches Risiko ist es allemal, weil man ja nicht weiß, was im Hintergrund wirklich passiert ist. In dem Moment, wo man Symptome hat, würde ich schon mit einem Arzt Rücksprache halten, bevor ich wieder zu sporteln beginne.

Aber kann ich in der Quarantäne trainieren, wenn ich symptomlos infiziert bin oder einen ganz milden Verlauf habe?

Moderat bewegen – da spricht nichts dagegen, weil das prinzipiell das Immunsystem stabilisiert. Leichtes Ausdauertraining, Yoga oder gemütliche Gymnastik – das sind alles Dinge, die den Körper eher nicht belasten, sondern in seiner Funktion unterstützen. Mein Tipp: Den Hausverstand benutzen.

Welche Anzeichen beim Training deuten auf Probleme hin?

Wenn sich die Sportler matt fühlen, sie überproportional schwitzen, Atemnot haben und bei gleichem Puls eine deutlich schlechtere Leistung bringen bzw. umgekehrt, dann muss man hellhörig werden. Das kann rasch in Richtung organische Schädigung oder Herzmuskelentzündung gehen.

Kann es sein, dass ich nach einer Covid-Erkrankung nie mehr mein Leistungspotenzial von vor der Infektion erreiche?

Es kann leider sein, aber es muss nicht sein. Long Covid zeigt uns aber, dass langfristig Probleme bestehen bleiben können. Aber auch hier ist es notwendig, den Organismus trotz seiner Schwäche auch systematisch und gezielt zu fördern und somit auch die Leistungsfähigkeit moderat wieder zu verbessern.

Die Betreuung von „Wieder-Einsteigern“ erfolgt bei Ihnen über den Vitalmonitor, wie funktioniert dieser?

Er funktioniert wie ein EKG (eine Messung dauert drei Minuten und wird nach dem Aufstehen durchgeführt) und liefert mir die Informationen über den aktuellen körperlichen Zustand. So sehe ich auch detailliert die Reaktion auf das jeweilige Training. Die Pläne und Reize werden so immer wieder angepasst und das Training systematisch hochgefahren.

 

Von Tobias Hörtenhuber

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