Traum geplatzt! LASK verpasste Cup-Titel gegen Salzburg

Mit dem großen Traum, den ersten Titel seit 1965 zu holen, war der LASK nach Klagenfurt gereist. Doch am Ende standen die Linzer nur mit hängenden Köpfen und riesiger Ernüchterung da. Salzburg zeigte den Athletikern im Endspiel des Uniqa ÖFB Cups beinhart die Grenzen auf, letztlich war der offensiv erschreckend schwache LASK beim 0:3 chancenlos und mit diesem Resultat sogar noch bestens bedient.

Beide Trainer verzichteten personell wie taktisch auf Überraschungen. Salzburg agierte ebenso in der gewohnten 4-4-2-Grundordnung, wie der LASK im üblichen 3-4-3. Auch das Spiel selbst lieferte über weite Strecken ein typisches Bild für dieses Duell. Viele Zweikämpfe, viele zweite Bälle und zwei intensiv pressende Mannschaften, die dem Gegner wenig Luft zum Atmen und damit auch kaum längere Ballstafetten ließen.

Nachdem sich beide Teams in der Anfangsphase weitgehend neutralisierten, waren es dann die Salzburger, die mehr und mehr das Kommando übernahmen. Aus dieser Überlegenheit resultierten auch bald die ersten Chancen: LASK-Goalie Alex Schlager musste sich bei einem Berisha-Kopfball ordentlich strecken (22.), Aaronsons Schuss nach einem Ballverlust von James Holland im Aufbau verfehlte sein Ziel (26.), ein Kopfball von Daka wurde gerade noch geblockt (30.) und auch Bernedes Versuch ging knapp am Tor vorbei (32.).

Die Linzer leisteten sich in dieser Phase deutlich zu viele einfache Ballverluste, schienen dem immer stärker werdenden Druck des Titelverteidigers nicht gewachsen. Auch, weil man selbst kaum Entlastung fand, kein Zielspieler für die vielen weiten Bälle Richtung Offensivreihe vorhanden war. Speziell Johannes Eggestein war gegen die robusten Salzburger Defensivspieler auf völlig verlorenem Posten. Hinzu kamen schlecht und mit zu wenig Überzeugung zu Ende gespielte Umschaltsituationen.

Kalte Dusche vor der Pause

Echte Torszenen suchte man beim LASK daher vergeblich. Einzig Ulmer musste einmal nach einem langen Holland-Einwurf klären (23.), Rene Renner setzte einen Kopfball nach Michorl-Ecke drüber (24.). Just als die Athletiker gegen Ende der ersten Halbzeit endlich einen Tick besser im Spiel schienen, schlugen die Bullen eiskalt zu. Zunächst fehlten bei Berishas Freistoß ins Außennetz nur Zentimeter (44.), Sekunden vor der Pause zielte er genauer: Diagonalball auf Ulmer, den Reinhold Ranftl nicht gut verteidigte, dessen Direktabnahme ließ Daka passieren, Berisha schloss technisch gekonnt ab – 0:1. Ein Schock vor der Halbzeit, aber hochverdient für die Bullen.

Salzburger Vorentscheidung

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Nach etwas ruhigerem Beginn in Hälfte zwei verzeichneten die Linzer ihre bis dahin mit Abstand beste, weil einzige Gelegenheit. Peter Michorl kam knapp außerhalb des Sechzehners an den Ball, schlug noch einen Haken und stand plötzlich frei vor RB-Goalie Stankovic – mit seinem schwächeren rechten Fuß fiel der Abschluss aber zu harmlos aus (56.). Das klar gefährlichere Team blieb aber der Serienmeister. Berishas Schuss aus spitzem Winkel parierte Schlager noch (59.), nach einem herrlichen Angriff sorgte Aaronson acht Minuten später für die Vorentscheidung. Berisha mit perfektem Zuspiel in die Tiefe auf Mwepu, der bediente im Rückraum den US-Amerikaner, der zum 2:0 (67.)  einschoss.

Drei Minuten später kam es beinahe noch dicker: Der überragende Berisha tauchte frei vor Schlager auf, beim Versuch, ihn zu umkurven lief er in den LASK-Keeper hinein – für Schiedsrichter Walter Altmann in dessen ersten Cup-Finale ein Elfmeter. Doch Schlager verhinderte mit einer glänzenden Fußabwehr einen dritten Gegentreffer. Den holte Mwepu zwei Minuten vor dem Ende nach.

Erschreckende Harmlosigkeit

Bei den Schwarz-Weißen, bei denen Lukas Grgic, Dominik Reiter und Metehan Altunbas ins Spiel kamen, ging nach vorne gar nichts. Der einzige Plan, die Spitzen mit langen Bällen in Szene zu setzen, vermochte auch nach dem x-ten Versuch weder sinnvoller, noch zielführender zu werden. Bei allem Verletzungspech im Angriff hatte diese Harmlosigkeit doch erschreckende Züge, was übrigens auch für die einst so erfolgreichen Standardsituationen galt.

So verpuffte die historische Chance auf den ersten Titel seit 1965 – ein solcher wäre nach diesem Spielverlauf auch nicht verdient gewesen. Die Bullen feierten ihren insgesamt achten Cup-Titel, den siebten in den vergangenen acht Jahren.

„Im Ballbesitz zu wenig gebracht“

LASK-Kapitän Gernot Trauner sprach unmittelbar nach dem Schlusspfiff im ORF-Interview von „einem verdienten Sieg. Wir haben für zu wenig Entlastung gesorgt, im Ballbesitz haben wir zu wenig gebracht. Das war zu wenig, wenn man den Cup gewinnen will“, so der Abwehrchef. Man habe gegen den Ball sehr viel investieren müssen: „Da geht dir dann irgendwann die Puste aus, Salzburg war die reifere und frischere Mannschaft“, so Trauner. Das warten auf den zweiten Cup-Titel nach 1965 geht damit weiter, von nunmehr insgesamt sechs Endspielen gingen fünf verloren.

„Wir haben so viel Respekt vor LASK“

Auf der anderen Seite war Salzburg-Trainer Jesse Marsch überglücklich: „Wir waren bereit für den schnellen Start des LASK. Die Führung war ganz wichtig, dann haben wir gedacht, dass wir mehr mit unserer Power kommen können. Wir haben sehr gut verteidigt und das ganze Spiel sehr gut gespielt. Ich freue mich sehr für unsere Jungs, noch einen Titel zu holen ist ein gutes Gefühl”, so Marsch.

„LASK gegen Salzburg ist fast kein Fußballspiel, fast nur laufen, kämpfen, gegen den Ball arbeiten, ein intensives Spiel. Jede Aktion bedeutet etwas. Wir haben so viel Respekt vor dem LASK und viel gelernt aus den letzten Spielen gegen den LASK. Ich freue mich nicht nur über den Titel, sondern auch über das Spiel. Die Mentalität ist stark, die Spieler haben in den wichtigsten Spielen fast immer ihre beste Leistung abgeliefert“, so der US-Amerikaner.

LASK – RB Salzburg 0:3 (0:1)
Tore: 0:1 (45.) Berisha, 0:2 (67.) Aaronson, 0:3 (88.) Mwepu
LASK: Schlager – Filipovic, Trauner, Andrade – Ranftl, Holland, Michorl (63. Grgic), Renner – Goiginger (63. Reiter), Eggestein (81. Altunbas), Balic
Salzburg: Stankovic – Kristensen, Ramalho, Wöber, Ulmer – E. Mwepu (89. Sucic), Bernede (89. Seiwald), Junuzovic (77. Bernardo), Aaronson (89. Okafor) – Berisha, Daka (72. Adeyemi)
Anm.: Daka scheiterte mit Foulelfmeter an Schlager (70.)
Gelbe Karten: Trauner, Holland, Schlager bzw. Ulmer, Wöber

Roland Korntner und Christoph Gaigg
aus Klagenfurt

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