Traumstart löste Begeisterung aus

Russland schoss harmloses Saudi-Arabien mit 5:0 aus dem Stadion — Joker Tscheryschew bewarb sich bereits für das Tor des Turniers

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Mit einem derart deutlichen Auftaktsieg hatten wohl auch die begeisterten russischen Fans nicht gerechnet.Juri Gasinski (l.) eröffnete mit seinem Kopfballtreffer nach zwölf Minuten den Torreigen und ebnete den Weg für die russische Welle der Begeisterung.
Mit einem derart deutlichen Auftaktsieg hatten wohl auch die begeisterten russischen Fans nicht gerechnet.Juri Gasinski (l.) eröffnete mit seinem Kopfballtreffer nach zwölf Minuten den Torreigen und ebnete den Weg für die russische Welle der Begeisterung. © AFP/Nemenov

Von Christoph Gaigg

Er stieß Jubelschreie aus, er ballte die Siegesfaust, er herzte seine Spieler: Russlands Teamchef Stanislaw Tschertschessow war die Erleichterung beim Traumstart in die Heim-WM mit dem 5:0 gegen Saudi-Arabien anzumerken. Kein Wunder: Der Druck war immens, die Kritik nach sieben sieglosen Testspielen groß, ein verpatzter Auftakt wäre eine Katastrophe gewesen.

Doch es kam genau anders. Gegen harmlose Araber (null Schüsse aufs Tor!), die ihr Heil im technisch versierten Kurzpassspiel suchten und für ihre Unmengen an Fehlern und Ballverlusten bitterböse bestraft wurden. So jubelte die Sbornaja am Ende über den höchsten Sieg in einem WM-Eröffnungsspiel seit dem 7:1 von Italien 1934 gegen die USA.

„Sieg ein bisschen hoch“

„Wir sind zum richtigen Zeitpunkt gut beinander“, klang in Tschertschessows deutschen Worten sogar noch ein Hauch des Österreichischen durch, das aus seiner Zeit in Tirol hängen geblieben sein dürfte. „Wichtig ist, dass jetzt die Begeisterung da ist.“

Die haben seine Schützlinge unter den Fans in jedem Fall ausgelöst. Auch wenn der Teamchef selbst zur Bescheidenheit mahnte: „Der Sieg war vielleicht ein bisschen zu hoch.“ Vollends überzeugen konnte der WM-Gastgeber, der vor allem auf schnelles Umschaltspiel nach Ballgewinn setzte, nicht. Doch das frühe Kopfballtor von Juri Gasinski (12.) ebnete den Weg zu einem nie gefährdeten Auftakterfolg.

Die Joker stachen

Dann bewies Tschertschessow zweimal ein glückliches Händchen: Nach der Verletzung von Alan Dsagojew brachte er Denis Tscheryschew, der vor der Pause sehenswert auf 2:0 erhöhte, indem er zwei Araber ins Leere grätschen ließ (43.). Für die Kategorie Tor des Turniers bewarb er sich in der Nachspielzeit mit einem herrlichen Außenristschlenzer ins lange Eck zum 4:0 (91.). Dazwischen netzte auch Artem Dsjuba — ebenfalls eingewechselt — per Kopf (71.), für den Endstand sorgte Alexander Golowin per direktem Freistoß über eine ganz schlecht formierte Mauer (94.). „Das ist kein Zufall. Ich weiß, wie gut sie drauf sind“, sagte der ehemalige Tirol-Torwart und -Trainer über seine Joker.

In verfrühte Euphorie wollte der 54-Jährige aber nicht verfallen. „Drei Punkte sind drei Punkte. Es fängt zwar mit diesem Spiel an, aber es endet nicht damit. Es ist ein Turnier und da musst du Punkte sammeln.“ Nächster Gegner ist am Dienstag (20) Ägypten. Und die Saudis? Die wussten die Leistung einzuordnen: „Wir haben nicht verloren, weil sie so gut, sondern weil wir so schlecht waren“, sagte Teamchef Juan Antonio Pizzi.