Traumwandeln auf den Spuren von K.

theaterzeit/Freistadt spielt heuer Neuadaption von Kafkas „Das Schloss“

Traumsequenzen vor Schloss Westwest
Traumsequenzen vor Schloss Westwest © theaterzeit

Vor zehn Jahren bekam Freistadt mit theaterzeit ein eigenes Festival, das sich vom Bühnenevent bis heute zu einer bunten Kulturveranstaltung entwickelt hat. 2020 wurde coronabedingt pausiert. Sein Jubiläum feiert das Festival, das alle zwei Jahre in die Messehalle einzieht, heuer von 16. Juli bis 7. August unter anderem mit dem Stück „Schloss Westwest“, einer Adaption von Kafkas „Das Schloss“.

In der Vergangenheit zeigte theaterzeit/Freistadt etwa Adaptionen von „Jedermann“ oder „Faust“: „Wir bringen traditionell schwere, ernste, klassische Stoffe auf die Bühne, Stücke, die auch vier Stunden dauern können. All das ist eher ungewöhnlich für ein Theater im Sommer“, sagt Susanne Bihari, die das Festival gemeinsam mit Ulf Dückelmann ins Leben gerufen hat, leitet und als Schauspielerin mitwirkt.

Aber von dieser Schwere wisse das Publikum schon und lasse sich nicht abschrecken. Ulf Dückelmann führt traditionell Regie und hat heuer Kafkas Roman für die Bühne dramatisiert: Die Geschichte aus „Das Schloss“ wird aus der Perspektive von K. erzählt, der auf dem Sterbebett liegt und für Kafka steht, dessen Biografie von Dückelmann in traumhaften Sequenzen mit der Biografie verquickt wird. K. begegnen auf diese Weise Menschen aus seinem Leben, seine Eltern, Frauen wie Kafkas erste Verlobte Felice Bauer.

„Kafka hat ja immer wieder schreibend Träume verarbeitet. Schreiben und Träumen gehen ineinander über. Das gibt dem Stück einen ganz eigenwilligen Drive“, sagt Bihari. Dabei werde viel im „Cinemascope-Style“ gearbeitet, die Handlung nicht nur live, sondern auch über Video erzählt. „Und wir lieben es, die riesige Bühne der Messehalle mit unseren Stücken auszufüllen.“

Bühnenspiel und dazu ein breites Angebot an Kultur

Neben dem Theater gibt es bei theaterzeit mittlerweile ein breit gefächertes Kulturangebot. Dazu zählt eine Literaturbörse, bei der Werke regionaler, aber auch internationaler Autoren präsentiert werden. „Anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums von Freistadt zeigen wir einen Publikumshit aus 2012, unseren Film ,Elvis im Wunderland´, bei dem ganz Pregarten mitgespielt hat“, erzählt Bihari.

Im Rahmen einer Kinderkreativwoche wird ein Theaterstück erarbeitet, das dann auch zur Aufführung gelangt. Zum zweiten Mal lädt theaterzeit Filmemacher zum Young//Impulsfilm//Award, einen Kurzfilmwettbewerb zum Thema „Identity“, der in Kooperation mit einem Budweiser Filmfestival ausgeschrieben wird. Als Jury konnten prominente Filmleute gewonnen werden, nämlich Robert Dornhelm, Harald Sicheritz, Maria Hofstätter und Elisabeth Scharang. „Beim ersten Mal hatten wir dafür rund 100 Einreichungen“, so Bihari.

Als Festival im Festival bildet die Vivid-Woche (3. bis 7. August) einen eigenen Schwerpunkt: Zum Thema „Heimat. Gestern. Heute. Morgen“ werden Filme, Tanz, Musik und bildende Kunst gezeigt. „Teufelsgeiger“ Matthias Jakisic etwa , der für das Burgtheater, aber auch für Netflix komponiert, tritt gemeinsam mit der Budweiser Kredance Company auf und lädt zum Digital Music Workshop. Kunsthandwerk aus der Region von Findling-Skulpturen bis zum Handblaudruck präsentiert eine vom MÜK Künstler*innenkollektiv kuratierte Schau.

„Wir wachsen jedes Jahr, sowohl was das Programm anbelangt, als auch das Budget“, sagt Bihari. Die Besucher — bisher zwischen 3000 und 5000 — kommen aus der Region, aber mittlerweile auch aus ganz Österreich. Um die Veranstaltung in der Pandemie nicht zu gefährden, schotten sich Schauspieler und Festivalmitarbeiter so gut es geht ab. Die Besucher dürfen sich, halten die geplanten Regeln, auf ein fast „normales“ Festivalgeschehen freuen. Der Vorverkauf ist bereits angelaufen.

www.theaterzeit.at

Von Melanie Wagenhofer

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