Traun: Stadt und Pfarre kooperieren mit Verein, der Antisemiten verehrt

Umwelt-Dialogabend und Baumpflanzung mit Milli-Görüs-Verein Bürgermeister prüft aber nach Volksblatt-Recherchen Kooperation mit Alif

Nicht gelöscht: Die Alif-Jugend Traun würdigt auf Facebook weiter den Antisemiten Erbakan als „großen islamischen Vordenker“.
Nicht gelöscht: Die Alif-Jugend Traun würdigt auf Facebook weiter den Antisemiten Erbakan als „großen islamischen Vordenker“. © Screenshot Facebook

Von Manfred Maurer

TRAUN — Es soll um „Umweltschutz & Schöpfungsverantwortung in Islam und Christentum“ gehen am Dienstag im Trauner Pfarrsaal. Doch es wird auch politische Umweltvergiftung aufs Tapet kommen. Denn bei dem mit Unterstützung von Stadt und Pfarre Traun von der Austria Linz Islamischen Föderation (Alif) initiierten Dialogabend sind neben Umweltlandesrat Rudolf Anschober (Grüne) und zwei katholischen Funktionärinnen auch Murat Baser und Engin Güngör am Podium. Baser ist Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinde Linz und „religiöser Wegweiser“ der zur Milli-Görüs-Gemeinschaft (IGMG) gehörenden Alif, Güngör Bildungsreferent der Trauner Alif-Jugend.

Alif würdigte Ende Februar den Antisemiten Necmettin Erbakan an dessen achtem Todestag als „großen islamischen Vordenker und Gelehrten“. Auch die Alif-Jugend Traun tat dies auf Facebook. Damit nicht genug: Güngörs Facebook-Profil zierten Fotos und Zitate von Erbakan, der Islamisten-Partei Saadet und einem islamistischen Terrorführer. Neben einem Bild des 1995 ermordeten israelischen Premiers Yitzhak Rabin steht Koran-Sure 43: „Und die Hölle ist wahrlich ihnen allen der verheißene Ort.“ Ein Foto vom Treffen eines türkischen Generals mit einem US-Militär ist mit dieser Frage versehen: „Was haben wir mit diesem verräterischen zionistischen Diener zu tun?“

Vom VOLKSBLATT damit konfrontiert beauftragte Bürgermeister Rudolf Scharinger (SPÖ) seinen Integrationsbeauftragten Jürgen Plank mit einer Prüfung. Erste Konsequenz: Gestern waren die haarigsten Postings gelöscht. Güngör habe, so Plank, eingeräumt, dass das Rabin-Posting antisemitisch wirken könne, und es als „Jugendsünde sehr bedauert“.

Nicht gelöscht war jedoch bis gestern die Erbakan-Würdigung auf der Seite der Trauner Alif-Jugend.

Der Dialogabend findet dennoch statt. Allerdings mit für Alif unangenehmen Themen. Anschober zum VOLKSBLATT: „Ich werde selbstverständlich klare Worte zu den genannten problematischen Bereichen finden.“

Auch die Diözese steht zu der Veranstaltung. Ihr Sprecher Michael Kraml versichert: „Die auf der Website von Alif getätigten Äußerungen in Bezug auf Erbakan bringen wir in unseren Gesprächen mit der Islamischen Religionsgemeinde Linz deutlich zur Sprache.“ Die Absage an jede Form von Radikalismus sei Voraussetzung für den interreligiösen Dialog.

Integrationsstadtrat Johann Böhm (ÖVP) kritisiert ebenfalls die Erbakan-Verherrlichung, steht aber auch zum Dialog: „Eine Abgrenzung zu Alif betrachten wir als noch gefährlicher, als mit ihnen im Kontakt zu sein.“ Man wolle „beobachten, um zu wissen, was dort läuft“.

Vorerst steht somit auch der am 27. April bei der NMS Traun mit Alif geplanten Pflanzung eines Baumes nichts im Weg. Es sei denn, eine vom Bürgermeister beim Integrationsausschuss in Auftrag gegebene Prüfung fällt negativ aus. Denn, so Scharinger zum VOLKSBLATT: „Die Kooperation mit Alif ist auf dem Prüfstand.“

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