Tribüne: Altmanns Hohelied auf Frauen

Andreas Altmann
Andreas Altmann © Nathalie Bauer

Daheim der gewalttätige Vater, die zwölfjährige Sandra ein „Fluchtpunkt“. Mit zehn öffnete Andreas Altmann ihre Bluse, noch zu jung für sexuelle Erregung, aber seither „das schönheitsdurstige Tier“. Der Jugendliche schmachtete nach dem Busen der 18-jährigen Anna, sie „hat nie von meinen Orgien der Unkeuschheit erfahren“.

Altmann, 1949 geboren, aufgewachsen in der bayerischen „Spießergruft“ Altötting, den Hass auf den Vater schrieb er sich mehrfach von der Seele. In „Frauen.Geschichten.“ (Piper 2015) berichtet er vom „Triumph über den eingeprügelten Leibhass“, am Donnerstag las Altmann in der Tribüne Linz: „Frauen, die Liebe und Mr. Chatterjee!“

Der in Paris lebende Autor bereiste Indien, Palästina oder zuletzt Mexiko, für seine ungemein lebendigen Reportagen erhielt er den Egon-Erwin-Kisch-Preis. In „Frauen.Geschichten.“ umkreist Altmann das Zentrum seines Lebens. Liebenswert, realistisch, derb, verzaubert. Die herrliche Pariserin, die Männer mit der Frage „Hast du dich angesehen?“ abwies. Mexikanerinnen, die Altmann für die „Finten“ bewundert, mit denen manche trotz strengen Familienregimes die Freuden des Körpers erleben.

Altmann begleitet seine Leseperformance mit Gedichten des Liebeslyrikers Bertold Brecht, der deutschen Poetin Karin Kiwus oder Ingeborg Bachmanns („Erklär mir, Liebe“). Frauen, schreibt Altmann, „die ersten, die mir beibrachten, dass ewige Wahrheiten nichts taugen“. Einander berühren das Elixier des „zweiten Lebens“. Dieses beginne in dem Moment, „in dem wir erkennen, dass wir nur eines haben“. pia

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