„Trittico“: Jubel für Puccinis Rehabilitierung in Salzburg

Asmik Grigorian sieht schwarz als Salzburger Suor Angelica © APA/BARBARA GINDL

Giacomo Puccini ist bei den Salzburger Festspielen angekommen. Es gehe um die „Rehabilitation“ des in Salzburg etwas vernachlässigten Komponisten, hatte das Leadingteam seines „Il trittico“ im Vorfeld angekündigt. Und die Ehrenrettung ist am Freitagabend mehr als geglückt – was wieder einmal nicht zuletzt Festspielliebling Asmik Grigorian zu verdanken ist. Langer Jubel stand am Ende der Premiere für alle Beteiligten.

Das Ende 1918, also unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in New York uraufgeführte Spätwerk Puccinis gehört heute zu den selten gespielten Stücken des Komponisten. Puccini stellte drei separate Einakter ohne wirklichen Zusammenhang nebeneinander – ursprünglich mit der Idee, Dantes „Göttliche Komödie“ in der Abfolge von Hölle, Fegefeuer und Paradies als Ausgangspunkt zu nehmen, wovon nicht viel übrig blieb. Was blieb waren drei Blickwinkel auf das Menschsein: vom Paar am Ende seiner Beziehung im „Il tabarro“ über eine suizidale Mutter in „Suor Angelica“ bis hin zur leichten Erbschleicherkomödie „Gianni Schicchi“ – in dieser Reihenfolge.

Wie bei den griechischen Dionysien stets auf die drei Tragödien das Satyrspiel als beschließendes Element folgte, setzte Puccini den spannungslösenden „Schicchi“ für die Uraufführung ans Ende des Triptychons. In Salzburg hingegen hat man die Reihenfolge gewendet. Hier empfängt Regisseur Christof Loy das Publikum mit einem Buffo-Auftakt und setzt das am seltensten gespielte Stück der Trilogie, die tragische „Suor Angelica“, ans Ende. Dramaturgisch eine gewagte, eigentlich gegen den Empfindungsbogen laufende Entscheidung – die sich jedoch als vollends stimmig erweist, wenn man Asmik Grigorian als zentrale Sängerin in allen drei Teilen hat.

Bei der 41-Jährigen, die als Salome 2018 zum Salzburger Superstar aufstieg, schimmert stets eine zurückhaltende Eleganz ohne Divenhaftigkeit durch, eine melancholisch verschattete Innerlichkeit. Dies hat zur Folge, dass sie „handfesteren“ Charakteren wie der ihren Mann betrügende Frachtkapitänsgattin Giorgetta im „Tabarro“ schlichtweg zu wenig Erdung, zu wenig Bodenständigkeit gibt. Der russische Bariton Roman Burdenko als ihr Mann ist hier hingegen ganz in seinem Element mit solidem, breitem Stimmfokus.

Und im „Schicchi“ ist Grigorian ungeachtet des Gassenhauers „O mio babbino caro“ wie alle Laurettas eher Nebenfigur. Auch wenn ihr Alexey Neklyudov als Geliebter Rinuccio mit allzu hellem Timbre nicht das Wasser reichen kann, tritt sie doch hinter Misha Kiria als listige Titelfigur zurück. Ihre unnachahmlichen Qualitäten spielt die Litauerin schließlich erst vollends als ins Kloster gezwungene Adelige aus, die in „Suor Angelica“ erfahren muss, dass ihr uneheliches Kind mittlerweile verstorben ist und die sich umbringt, um bei ihm zu sein. Reihum trieb die Sängerschauspielerin mit dem genau gesetzten, vornehmen Timbre hier dem Premierenpublikum das Wasser in die Augen.

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Hierbei überlassen ihr die beiden Leadingteamleiter, Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker im Graben und Regisseur Loy, ganz den Raum. Welser-Möst führt das Orchester nuancenreich durch das disparate Werk, nimmt den Graben meist zurück, spielt Puccini verhältnismäßig schlank. Loy wiederum ist der große Minimalist, der die Bühnenbilder reduziert, um sich eher auf die Figuren zu konzentrieren. Nicht zuletzt war das einer der Gründe für den Sensationserfolg, den der 59-Jährige mit der spontan ins Programm gehobenen „Cosí“ des Coronajahres 2020 einfuhr.

Nun setzt er im „Trittico“ zwar auf bisweilen überraschend naturalistische Elemente wie den Kahn in „Tabarro“ oder das Kloster der Angelica, das frappant an die dem Festspielhaus gegenüberliegende katholisch-theologische Fakultät der Universität erinnert. Und doch hält er den Spielraum für die Sängerinnen und Sänger weitgehend frei. Er verjüngt mittels Seitenwänden die enormen Ausmaße der Festspielhaus-Bühne und hält doch das Ensemble in Bewegung, um den gebotenen Platz auszuloten. Und so wird das Panoptikum von Menschen in der Hoffnungslosigkeit ungeachtet von Grigorians Glanzleistung am Ende eine Ensemblearbeit.

„Il trittico“ von Giacomo Puccini bei den Salzburger Festspielen im Großen Festspielhaus, Hofstallgasse 1, 5020 Salzburg. Musikalische Leitung der Wiener Philharmoniker: Franz Welser-Möst, Regie: Christof Loy, Bühne: Etienne Pluss, Kostüme: Barbara Drosihn. Mit Gianni Schicchi – Misha Kiria, Lauretta – Asmik Grigorian, Zita – Enkelejda Shkosa, Michele – Roman Burdenko, Giorgetta – Asmik Grigorian, Luigi – Joshua Guerrero, Suor Angelica – Asmik Grigorian, La Zia Principessa – Karita Mattila, La Badessa – Hanna Schwarz. Weitere Aufführungen am 5., 9., 13., 18. und 21. August. Übertragung am 13. August ab 18.30 Uhr live im Internet auf ARTE Concert sowie zeitversetzt ab 22 Uhr in ORF 2. salzburgerfestspiele.at

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