Triumph der „Berliner Luft“ in Ischl

Lehár Festival begeistert mit Linckes großartiger neuer „Frau Luna“

Niklas-Sven Kerck & Kaj-Louis Lucke & Susanna Hirschler
Niklas-Sven Kerck & Kaj-Louis Lucke & Susanna Hirschler © www.fotohofer.at

Bad Ischls Lehár Festival 2022 feierte am Samstag im Kongress & TheaterHaus mit Paul Linckes 1899 in Berlin uraufgeführter Revue-Operette „Frau Luna“ einen sensationellen Publikumserfolg. Der zuletzt in der Bühne Baden und dem Theater an der Wien vielseitig erfolgreiche Musik-Allrounder Christoph Huber hat als Dirigent das von Lincke nach dem klugen Libretto von Heinz Bolten- Baeckers dem Zeitgeist entsprechende Meisterwerk neu mit viel Blech und jazzartigen Elementen wirkungsvoll instrumentiert.

Linckes Originalklang ging zwar verloren, der Effekt der Rasanz stellt sich aber ebenso ein wie eine Stimmung, die die Turbulenzen auf dem Mond pfeilschnell ins Publikum überträgt. Einmal mehr ist das Franz Lehár Orchester in Bestform angetreten.

Grandioses Ensemble

Die Vielfalt des Schlager-Reigens hat ihre Entsprechung in den vom regieführenden Choreografen Ramesh Nair bei perfekter Laune gehaltenen Solisten, beim phänomenalen Chor, dem Tanzensemble und den über sich selbst hinauswachsenden Sänger-Darstellern. Das mit Berliner Elementen aufwartende Bühnenbild (Toto) bietet in Berlin Biederkeit, auf dem Mond eine erstaunliche Vielfalt an Effekten.

Im Mittelpunkt des Interesses der Mondbewohner steht eindeutig die Sucht nach Liebe, noch mehr nach Sex. Im Original-Libretto des Lincke-Freundes Heinz Bolten-Baeckers sind die Akzente wesentlich milder und weniger hart gesetzt. Ihr Sucht nach Liebe leben alle Personen individuell aus. Dafür sorgt Ramesh Nair, der überraschend als stepptanzender Prinz Sternschnuppe eher dezent agiert. Die erlesenen Interpreten singen und spielen neben Nair, als ginge es um ihr Leben.

Die Damen Patricia Nessy als verführerische Frau Luna, Anna Overbeck als ihre Zofe Stella, Susanna Hirschler als umwerfend komische Witwe Pusebach und Lena Poppe als zarte Mieze sowie als Mondgroom sind ebenso mit vielseitigem Können dabei wie die Herren. Kaj-Louis Lucke als ballonbastelnder Mechaniker Fritz Steppke und Niklas-Sven Kerck als sein Freund Pannecke lösen auf dem Mond mit Pusebach zuerst ängstlich, dann selbstbewusst Turbulenzen aus.

Die Revue-Operette lebt

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Ganz nebenbei findet Pusebach auf dem Mond in Haushofmeister Theophil ihren ehemaligen Geliebten wieder. Ihm leiht Michael Zabanoff als echter Berliner seine schöne Tenorstimme und spielerische Leichtigkeit.

Die Revue-Operette lebt. Diesen Beweis konnten Intendant Thomas Enzinger, Christoph Huber, Ramesh Nair und das grandios Ensemble gemeinsam mit dem von Huber geschulten Chor und dem tollen Lehár Orchester beweisen.

Im Finale skandieren die Massen auf der Bühne immer wieder den effektvollen Hauptschlager, die inoffizielle Berliner Stadt-Hymne: „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft.“ Und das begeisterte Publikum klatscht sich die Hände wund. Eine Produktion, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Von Ingo Rickl

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