Trotz Maßnahmen: Corona-Fälle in China steigen wieder

Trotz strenger Vorsichtsmaßnahmen erlebt China die höchste Zahl neuer täglicher Infektionen seit drei Monaten. Obwohl die Volksrepublik das Virus weitestgehend im Griff hat, meldete die Gesundheitskommission am Mittwoch in Peking rund 100 neue Fälle. Größere Ausbrüche gibt es in Ürümqi in der Nordwestregion Xinjiang und in Dalian.

Von der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian haben sich die Infektionen durch Reisende in neun andere Städte ausgebreitet – auch nach Peking, das den ersten Fall seit drei Wochen verzeichnete.

Da China praktisch eine “Null-Fälle-Politik” verfolgt, reagieren die Behörden mit strengen Maßnahmen. In Dalian, wo der Ursprung des Ausbruchs in einer Fischfabrik vermutet wird, wurde schon die Hälfte der sechs Millionen Einwohner getestet. In Ürümqi stehen die Tests der 3,5 Millionen Einwohner vor dem Abschluss. Die Hauptstadt von Xinjiang berichtete am Montag 89 neue Infektionen.

Im Vergleich zu der dramatischen Entwicklung in anderen Ländern sind die Zahlen in China mit rund 500 offiziell berichteten aktuellen Erkrankungen eher gering. Trotzdem wurden Hunderte Flüge und Züge gestrichen. Der öffentliche Nahverkehr in Dalian wurde eingestellt. Reisende aus Risikobezirken der Hafenmetropole müssen in der umliegenden Provinz Liaoning 14 Tage in Quarantäne.

In China, wo Anfang Dezember die ersten Fälle der Covid-19-Pandemie aufgetreten waren, gelten ohnehin weiter strenge Vorsichtsmaßnahmen: Corona-App, Mundschutz und Fiebermessen gehören zum Alltag. Ohne grünes Licht durch das Handy-Programm lassen sich etwa in Peking keine Supermärkte, Läden oder Restaurants betreten. Märkte oder Wohnanlagen installieren am Eingang schon Geräte zur automatischen Messung der Temperatur.

Auch ist Chinas Grenze für Ausländer praktisch noch dicht, da keine regulären Visa vergeben werden. Mit acht Ländern wie auch Deutschland gibt es aber Ausnahmeregelungen. Allerdings konnten seit Ende Mai nur rund 1.000 Passagiere mit Sonderflügen der deutschen Handelskammer in China einreisen, mussten aber meist zwei Wochen in Quarantäne.

Auch in Hongkong gelten wieder strikte Schutzmaßnahmen. Die Einwohner der chinesischen Sonderverwaltungszone müssen seit Mittwoch außerhalb ihrer Wohnungen Gesichtsmasken tragen, Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Treffen in der Öffentlichkeit mit mehr als zwei Teilnehmern sind verboten. Bei Verstößen droht eine Bußgeld von bis zu 5.000 Hongkong-Dollar (rund 549 Euro).

Regierungschefin Carrie Lam rief die 7,5 Millionen Einwohner der Finanzmetropole auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben und sich strikt an die Abstandsregeln zu halten. Hongkong stehe kurz vor einer großflächigen Ausbreitung des Virus, die zu einer Überlastung der Krankenhäuser und weiterer Todesopfer führen könnte, warnte Lam.

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