Trotz Zinsflaute steigt Sparquote wieder

Österreicher legen 8,3 Prozent des Einkommens zur Seite — Die Spareinlagen verlieren seit 2010 tagtäglich an Kaufkraft

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Weiterhin mit der Lupe suchen müssen Anleger derzeit Zinsen und Renditen im Euroraum. Daher warten viele Haushalte ab und parken ihre Gelder mit täglicher Fälligkeit.
Weiterhin mit der Lupe suchen müssen Anleger derzeit Zinsen und Renditen im Euroraum. Daher warten viele Haushalte ab und parken ihre Gelder mit täglicher Fälligkeit. © Bilderbox

Von Harald Gruber

Gebannt blicken Österreichs Sparer auf den 26. Oktober. Dann will die Europäische Zentralbank neuerlich über die Zukunft von Geldpolitik und Zinssätzen beraten. Zuletzt hat die Zentralbank die Zinsen in den Keller und die Inflation nach oben getrieben. Zum Leidwesen der österreichischen Sparer, deren Einlagen seit 2010 damit täglich an Kaufkraft verlieren. Seit 2010 liegt nämlich die Inflationsrate höher als der Einlagenzins (bei maximal einem Jahr Bindungsdauer). Seit 2011 liegt die Inflationsrate auch über der richtungsweisenden Sekundärmarkt-Rendite für österreichische Bundesanleihen.

Sparquote über EU-Schnitt

Aber, Österreichs Sparer lassen sich offenbar nicht entmutigen. Laut Angaben der Österreichischen Nationalbank werden in Privathaushalten aktuell 8,3 Prozent des verfügbaren Einkommens zur Seite gelegt — damit zwar weniger als im Zeitraum 2007-2009 (Sparquote 11,3 bis 12,1 %), aber gegenüber dem Tiefststand 2013 (7,0 Prozent) trendmäßig wieder spürbar mehr. Im europäischen Vergleich bleiben die Österreicher damit ihrem Ruf als Sparmeister treu: EU-weit liegt die Sparquote nämlich bei nur 3,9 Prozent, im Euroraum auch nur bei 5,5 Prozent. Aber, es zeigen sich in Österreich Veränderungen im Umgang mit Ersparnissen.

Möglichst keine Bindung

Von 2008 bis Ende März 2017 ist in Österreich das Finanzvermögen der Privathaushalte von 466,6 auf 629,5 Milliarden Euro angestiegen. Deutlich höhere Anteile haben nunmehr aber täglich fällige Einlagen (Anstieg von 10 auf 20 Prozent), im Gegenzug haben längerfristig gebundene Einlagen deutlich an Gewicht verloren (von 31,5 auf 17,5 Prozent). Im Aufwind sind — wenn auch auf viel niedrigerem Niveau — Aktien börsenotierter Unternehmen (von 1,9 auf 3,7 Prozent), Investmentfonds (von 6,9 auf 9 Prozent) sowie sonstige Anteilspapiere (von 14,2 auf 17,6 Prozent).

30 Milliarden € abgezogen

Das Bestreben der österreichischen Haushalte, Ersparnise erst einmal ohne Bindung bzw. Risiko im sicheren Hafen zu parken, kommt auch beim Vergleich der zwei Veranlagungsperioden 2001-2008 und 2009-2016 klar zum Ausdruck: wurden in ersterer Periode 21 Prozent der freien Finanzmittel täglich verfügbar angelegt, waren es in der folgenden Periode bereits 51 Prozent. Im Gegenzug wurden 2009-2016 die längerfristig gebundene Einlagen der Privathaushalte von 141,9 Milliarden Euro auf 111,3 Milliarden Euro abgespeckt — sprich 30 Milliarden Euro umgeschichtet oder ausgegeben.

EZB macht keine Hoffnung

Seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es keine Anzeichen, dass man die Zinsen in absehbarer Zeit wieder von der Leine lassen würde. Aus der letzten EZB-Sitzung vom 7. September heißt es dazu nämlich: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen (Anm. derzeit 0,0 Prozent) für längere Zeit und weit über den Horizont des Netto-Erwerbs von Vermögenswerten (Anm. Ende Dezember 2017) hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“ Gut für verschuldete EU-Staaten und Kreditnehmer, schlecht für die sparfreudigen Haushalte.