Trump und Kim einig: „Hören auf mit Kriegsspielen“

US-Präsident und Nordkoreas Diktator vereinbaren bei historischem Gipfel Denuklearisierung, Korea-Friedensvertrag, Ende von US-Manövern, aber keine Details

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Kim Jong-un nannte den US-Präsidenten „seniler Greis“, Donald Trump den nordkoreanischen Diktator „kleinen Raketenmann“. Das war im vergangenen Herbst. Seit ihrem Gipfeltreffen am Dienstag in Singapur sind die beiden ziemlich beste Freunde — oder wie Vater und Sohn: Während des 13-sekündigen Händedrucks tätschelt Trump seinem Gegenüber jovial die Schulter — und signalisiert damit körpersprachlich den höheren Rang des 71-Jährigen gegenüber dem nicht halb so alten Jungdespoten.

 

Austausch von Nettigkeiten

Aber anstatt wie noch zu Silvester darüber zu streiten, wer den Größeren (Atomknopf, Anm.) hat, tauschen die beiden beim ersten amerikanisch-nordkoreanischen Gipfel der Geschichte nur Freundlichkeiten aus. Trump nennt den Diktator einen „sehr ehrenwerten, smarten Verhandler“ und „talentierten Mann“. „Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen“, sagt Kim und verspricht: „Die Welt wird ei- nen großen Wandel erleben.“

Auslöser dieses Wandels soll das im Luxushotel „Capella“ auf der Insel Sentosa vor Singapur unterzeichnete Abkommen sein, das in der Tat sehr vielversprechend klingt. Es enthält die „unerschütterliche Verpflichtung“ zur Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel, also zum Verzicht auf Atomwaffen. Die USA und Nordkorea wollen sich für ein „dauerhaftes und stabiles Friedensregime einsetzen“, also einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Die beiden Länder befinden sich seit dem 1953 nur durch einen Waffenstillstand beendeten Koreakrieg formal noch im Kriegszustand.

Die USA stoppen zudem die gemeinsamen Militärmanöver mit ihrem Verbündeten Südkorea, die in der Vergangenheit von Pjöngjang immer wieder als Anlass für Gegenprovokationen genommen wurden. Trump: „Wir werden die Kriegsspiele beenden, womit wir eine riesige Menge Geld sparen werden.“

Auch die Menschenrechte, um die es in Nordkorea schlecht steht, hat Trump angesprochen. Und auch da will er Zusagen bekommen haben: „Die werden was machen“, sagt Trump, der sein Treffen mit Kim in den höchsten Tönen lobt: „Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können. Spitzenklasse.“ Die US-Sanktionen gegen Nordkorea werden zwar noch nicht aufgehoben, aber Trump sagt, er „freue“ sich schon darauf, dies bald tun zu können.

Keine Zeit für Details

Was gut klingt, ist freilich erst gut, wenn es umgesetzt ist. In dieser Hinsicht enthält die Erklärung freilich nichts: Weder detaillierte Schritte noch einen Zeitplan. Die Zeit reichte Trump zufolge bei diesem Gipfel nicht, um Einzelheiten der atomaren Abrüstung Nordkoreas festzulegen. Wahrscheinlich werde dafür noch ein zweites Gipfeltreffen nötig, so der Präsident, der Kim schon zu einem Besuch nach Washington eingeladen hat. Gleich nächste Woche sollen Gespräche über die Details beginnen.

Trump flog noch am Dienstag zurück in die USA. Anders als am Sonntag die Erklärung des G-7-Gipfels in Kanada hat er die von Singapur zumindest bis zum Abend nicht für obsolet erklärt…

mm