Türkei flutet Europa mit „Lehrbüchern“ für Extremisten

Türkische Buchhandlungen in Österreich und Deutschland verkaufen Literatur von Holocaust-Leugnern, Islamisten und Terroristen

Auch der zu 5200 Jahren Haft verurteilte Hamas-Terrorist Bergusi ist wie andere Extremisten in den Wiener Buchhandlungen Aziziye Kitabevi und MGV Publications mit seinen Büchern vertreten. © AFP/Kahana, © Google 2022/Google Street View

„Bist du bereit, den Feind zu erkennen?“ — eine rhetorische Frage leitet den Werbetext für das Buch „Isgal“ (Okkupation) ein.

Wer mit dem Feind gemeint ist, wird auf der Homepage der türkischen Buchhandlung Aziziye in Wien schnell klar. In dem hier angebotenen Werk aus dem Lopus-Verlag in Ankara geht es um die „mächtigen Organisationen“, welche „die zionistische Lobby in vielen Ländern gegründet hat“.

Und es geht um den „schmutzigen Plan, den die Zionisten derzeit in der Türkei, im Irak und in Syrien umsetzen“.

„Wie unterstützen die Zionisten Hitler?“

Die in Wiener Buchhandlungen verkaufte türkische Autobiografie des in Israel zu 5200 Jahren Haft verurteilten Hamas-Terroristen Abdullah Barghouti.

Gleich im Titel unzweifelhaft antisemitisch ist das Buch „Küresel Musibet Siyonizm“ (Globale Geißel Zionismus) aus dem ebenfalls in der türkischen Hauptstadt situierten MGV-Verlag.

Es erklärt Lesern laut Buchbeschreibung, dass der „Zionismus keinen Schaden darin sieht, die Welt in Übereinstimmung mit seinen perversen Überzeugungen in ein Meer aus Blut und Tränen zu verwandeln.“

In zwei Filialen im 11. und 15. Bezirk sowie Online vertreibt Aziziye auch das Buch „Globale Geheimorganisationen streben nach Weltherrschaft“, das die „Beziehung zwischen Zionismus und Freimaurerei“ sowie die Frage „Wie unterstützten die Zionisten Hitler?“ behandelt. Ebenso im Angebot: die Autobiografie und weitere Bücher von Abdullah Galib Bergusi, „dem berühmten Befehlshaber Palästinas“.

„Isgal“, ein Buch über den „schmutzigen Plan der Zionisten“ — in Wien zu kaufen bei MGV und Aziziye.

Tatsächlich hat Bergusi traurige Berühmtheit erlangt. Beim Autor handelt es sich nämlich um Abdullah Ghaleb Barghouti, bis zur Festnahme in Israel Kommandant und Chef-Bombenbauer der Qassam-Brigaden, dem von der EU als Terrororganisation gelisteten bewaffneten Flügel der islamistischen Hamas.

Auf Barghoutis Konto gehen mindestens 66 Morde. Er wurde 2014 zur höchsten je gegen Terroristen in Israel verhängten Strafe verurteilt: 5200 Jahre Haft!

In der Buchbeschreibung auf der Aziziye-Homepage ist aber nicht etwa von seinen Verbrechen zu lesen, sondern bewundernd von seinen Fähigkeiten als Bombenbauer und vom „Schaden, den er den Invasoren zugefügt hatte“.

Dschihadistisches Manifest

Das dschihadistische Manifest des Muslimbruder-Chefideologen Seyyid Kutub (Sayyid Qutb) gesehen im Online-Angebot der Aziziye-Kitabevi in Wien.

Diese Bücher verkauft in Wien nicht nur Aziziye. Denn auch hier gibt es wie in Ankara eine MGV-Buchhandlung. Nachdem das VOLKSBLATT im Dezember über deren extremistisches Literaturangebot berichtet hatte, verschwanden immerhin zwei von MGV als „in Europa und den USA verboten“ beworbene Bücher des französischen Holocaust-Leugners Roger Garaudy aus dem Online-Angebot.

Andere seiner Bücher sind ebenso weiter zu haben wie die türkische Übersetzung von „Meilensteine“. Dieses 1964 verfasste Werk des damaligen Chefideologen der Muslimbruderschaft, Sayyid Qutb, bildet als eine Art dschihadistisches Manifest das ideologische Fundament des islamischen Terrorismus.

Auch die „Fatwas über Palästina“, in dem der Muslimbrüder-Prediger Yusuf al-Qaradawi über „Märtyreroperationen gegen den zionistischen Besatzungsfeind“ schreibt, sind bei MGV weiter erhältlich.

Die Hetzschrift „Küresel Musibet Siyonizm“ (Globale Geißel Zionismus) gibt es bei Aziziye in Wien und auch bei amazon.de.

Die türkische Dispora wird aber nicht nur in Österreich mit „Lehrbüchern“ für Extremisten versorgt. Auch in Deutschland sorgt eine türkische Buchhandlung für einschlägigen Nachschub aus der Türkei.

Bei kolnkutuphane.de in Bochum sind neben den meisten der oben beschriebenen Machwerke auch die verbotenen Garaudy-Bücher „Israil Soronu — Siyazi Siyonizm“ (Das Problem Israel — Politischer Zionismus) und „Israil — Mitler ve Trör“ (Israel — Myten und Terror) im Angebot. Der Verlag, der das Buch 1983 in Paris veröffentlicht hatte, „wurde von der zionistischen Lobby bankrott gemacht“, heißt es im Werbetext für „Israil Soronu“.

Extremistisches bei Amazon

Doch nicht nur türkische Buchhandlungen verbreiten Extremistenliteratur aus Ankara, auch Amazon hat sie. Zwar nahm der Online-Gigant nach einer VOLKSBLATT-Anfrage „Israil Soronu“ umgehend aus dem Sortiment, doch ein proaktives Herangehen ist nicht erkennbar.

Mit einschlägigen Stichwörtern leicht zu findende Bücher wie „Globale Geißel Zionismus“ oder Werke des Bombenbauers Barghouti und des geistigen Terrorvaters Qutb gibt es auf amazon.de noch immer.

Islam-Experte warnt

Dass diese Literatur nicht ohne Einfluss auf die türkische Community in Europa bleibt, davon ist Abdel-Hakim Ourghi überzeugt. Für den islamischen Religionspädagogen an der Pädagogik-Hochschule Freiburg „dient die Verbreitung dieser Bücher unter Muslimen zur Etablierung eines radikalisierten Konservatismus“.

Diese Bücher seien „ein Gegenentwurf zum Westen“, so Ourghi, der Politik und Kirchen auffordert, „öffentlich über die verdrängte Wahrheit des Politischen Islam zu debattieren“. Man dürfe „nicht im Namen einer missverstanden Toleranz unsere Werte und vor allem die Sicherheit der Menschen vernachlässigen“.

Bücher die zur Zerstörung Israels und zum Dschihad gegen Juden aufrufen, müssten verboten werden. Ourghis Bücher wie „Ihr müsst kein Kopftuch tragen“ oder „Reform des Islam — 40 Thesen“ bieten die genannten Buchhändler übrigens nicht an…

DÖW: Politischer Skandal

Die Frage nach möglichen rechtlichen Schritten gegen den literarischen Extremismusimport beantwortet das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) zurückhaltend.

Greifen könnte der Verhetzungsparagraf, der keinen spezifisch nationalsozialistischen Charakter der Äußerung erfordert, sagt Bernhard Weidinger. Aber, so der DÖW-Rechtsextremismusexperte, in den Texten „ist durch die Rede vom Zionismus die Attacke auf Jüdinnen und Juden wohl nicht pauschal genug“.

In der Heroisierung des plaästinensischen Terroristen Barghouti sieht Weidinger „jedenfalls einen politischen Skandal und moralischen Offenbarungseid“.

Von Manfred Maurer

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