Türkische Offensive in Syrien

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Die türkische Offensive begann mit Luftangriffen, aber Grenze werden aber schon Panzer in Stellung gebracht. © AFP/Kilic

Die Türkei hat Ernst gemacht und eine Militäroffensive in Nordsyrien begonnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab die Invasion per Twitter bekannt: „Unsere Streitkräfte haben zusammen mit der syrischen nationalen Armee im Norden Syriens die Operation Quelle des Friedens gegen die Terrororganisationen PKK/YPG /(kurdische Milizen, Anm) und Daesh (Islamischer Staat, Anm.) begonnen“.

Bei dem Einsatz solle eine „Sicherheitszone“ geschaffen werden, um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu erleichtern, schrieb Erdogan weiter. Die Syrische Nationalarmee ist der neue Name eines Zusammenschlusses von syrischen Rebellengruppen, die an der Seite der türkischen Streitkräfte kämpfen. Die Schaffung der „Sicherheitszone“ war im August mit den USA vereinbart worden.

Die Offensive startete laut türkischen Angaben mit Luftangriffen, unterstützt durch Artilleriefeuer. Ziel der Operation ist die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und begreift die Angehörigen der Miliz als Terroristen.

Die syrischen Kurden hatten zuvor eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet. Angesichts der zunehmenden Drohungen der Türkei und ihrer syrischen „Söldner“ seien alle aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesen „kritischen historischen Momenten“ Widerstand zu leisten, hieß es in einer Erklärung. Am Abend erklärte die von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) alle Operationen gegen die IS-Terrormiliz für gestoppt. Die YPG-Miliz hatte einen entscheidenden Anteil an der Niederschlagung des IS in Syrien. Die Nachricht von der türkischen Offensive ist also eine gute für die Überbleibsel des IS.

Vielleicht dämmert das inzwischen auch dem US-Präsidenten, der Erdogan mit dem Rückzug der US-Soldaten aus dem Gebiet am Montag grünes Licht gegeben hatte. Gestern Abend kritisierte Donald Trump die türkische Offensive: „Die Vereinigten Staaten befürworten diesen Angriff nicht und haben der Türkei deutlich gemacht, dass diese Operation eine schlechte Idee ist“.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte die Türkei auf, den Einsatz sofort zu stoppen. „Dieser Militäreinsatz wird nicht zu guten Ergebnissen führen“, sagte er in Brüssel. Wenn die Türkei in Nordsyrien die Sicherheitszone umsetze, „rechnen Sie nicht damit, dass die EU das irgendwie mitfinanziert“, so Juncker an die Adresse Erdogans.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg fordert von der Türkei, mit diesem Militäreinsatz vergangene Erfolge gegen die IS-Terrormiliz nicht zu gefährden. Er zähle darauf, „dass die Türkei mit Zurückhaltung handelt“.

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