TUI profitiert von Thomas-Cook-Pleite

TUI Österreich profitiert nach eigenen Angaben überdurchschnittlich von der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook. “Die Pleite hat die Reisebranche durchgerüttelt und war sehr, sehr bitter für die Kunden, Mitarbeiter und Partner. Für TUI ist es aber eine Chance”, räumte der neue TUI-Österreich-Chef Gottfried Math am Donnerstag ein.

Der Reiseveranstalter hat die Bettenkapazität deutlich aufgestockt und fast 200 neue Hotels ins Programm genommen, die zuvor bei Thomas Cook waren. Die Pleite des Konkurrenten werde TUI im laufenden Geschäftsjahr 50.000 zusätzliche Gäste vor allem aus Österreich und Osteuropa bringen, sagte Math. Das sei ein zweistelliges Plus.

TUI präsentierte am Donnerstag zwar sein Sommerprogramm, befindet sich aber mitten in der aktuellen Wintersaison, die schon zu 80 Prozent gebucht sei. “Vor allem die fernen Länder haben Hochkonjunktur”, so Math. Zweistellig im Plus gegenüber dem Jahr davor seien die Umsätze in Richtung Malediven, Thailand, Mauritius und Tansania. Auf der Mittelstrecke sei die Top-Destination Spanien aktuell leicht rückläufig, Ägypten, die Kapverden und Österreich würden aber Zuwächse verzeichnen.

Nach einem hohen einstelligen Umsatzanstieg in der Sommersaison 2019 blickt TUI optimistisch in den kommenden Sommer. Zuletzt habe es eine Nachfrageverschiebung vom westlichen zum östlichen Mittelmeer gegeben, also in Richtung Türkei und Ägypten. Gefragteste Reiseziele auf der Fernstrecke waren im vorigen Sommer die Malediven (+25 Prozent) und die Vereinigten Arabischen Emirate (+50 Prozent). Unter den Top-5-Destinationen befanden sich auch die USA, die Dominikanische Republik sowie Thailand.

Eine Zurückhaltung der Kunden aus Umweltbedenken, also “Flugscham”, bemerkt man bei TUI nicht. “Flugscham wird in den Medien stark debattiert, aber wir sehen keinen Rückgang bei den Buchungen. Das kommt bei den Kunden noch nicht an. Im Urlaub gelten andere Regeln”, sagte Math.

Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat das geringe Interesse von Flugreisenden an einer Klima-Kompensation beklagt. Die von der Lufthansa angebotene Option, einen Ausgleich für die Kohlendioxidemissionen bei innerdeutschen und interkontinentalen Flügen zu zahlen, werde bisher zu wenig genutzt, sagte Spohr laut deutscher Tageszeitung “Welt”. Die teurere Variante werde von so wenigen Kunden genutzt, dass er diese alle “per Handschlag begrüßen” könnte.

Klimatechnisch ein Schritt in die richtige Richtung sei die Erhöhung der Ticketsteuer auf der Kurz- und Mittelstrecke, die im neuen Regierungsprogramm vorgesehen ist. “Das trifft den Zeitgeist. Wir sind fast ein bisschen froh, weil das die Wertigkeit von Reisen steigert”, sagte der Leiter für Flug- und Produktmanagement bei TUI Österreich, David Szabo. Math hätte sich allerdings eine einheitliche Lösung für Europa gewünscht, zumal nicht alle Länder eine Abgabe einheben. In Österreich soll die Ticketsteuer einheitlich 12 Euro betragen, wobei die Belastung auf der Kurz- und Mittelstrecke (bisher 3,50 bzw. 7,50 Euro) deutlich steigt, während die Abgabe auf der Langstrecke (bisher 17,50 Euro) sinkt.

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