Turbulente Revue-Operette in Ischl

    Lehár-Festival: Fred Raymonds „Saison in Salzburg“ ganz neu und mit Glanzbesetzung

    459
    Theresa Grabner und Thomas Zisterer © www.fotohofer.at

    Von Ingo Rickl

    Nach dem Meisterwerk „Die lustige Witwe“ stand am Samstag beim Lehár-Festival Bad Ischl als zweite Produktion Fred Raymonds Revue-Operette „Saison in Salzburg“ aus der Feder von Max Wallner und Kurt Feltz auf dem Spielplan. Gernot Kranner hat als Regisseur in jahrelanger Vorbereitung das Werk umgeschrieben, neue Personen erfunden, Maria Plain als Schlussszene in die Hotel-Aura dreier Beherbergunsbetriebe verlegt, Dialoge geändert und es geschafft, im Schlussbild anstatt dreier gleich fünf Brautpaare zu präsentieren — dies unter Assistenz von Goldhaubenfrauen aus dem Salzkammergut.
    Ausstatter Herwig Libowitzky hat ein wunderschön die Handlung inspirierendes Einheitsbühnenbild geschaffen. Die Anzahl der von Alexandra Brandner entworfenen Kostüme, die abseits von der durchgehenden Handlung auch einige Schlager illustrieren, scheint rekordverdächtig. Zwei Personen muss man erwähnen: die Choreografin Rita Sereinig und den Chormeister Gerald Krammer, beide jugendlich-temperamentvoll an ihre Arbeit herangehend.

    Mit Schlager, Zitherklängen und G’stanzl

    Klug war auch die Idee, zwei Topschlager Raymonds in die Produktion zu integrieren: „Ich hab‘ das Fräul’n Helen baden sehen“ und „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“. Tenoralen Glanz versprühen Alexander Kaimbacher als Autorennfahrer Frank Rex und August Schram, der als Parfumfabrikant nicht, wie im Original vorgesehen, aus Mödling, sondern aus der Schweiz anreist. Die Bufforollen sind bei Thomas Zisterer, der auch tenoral glänzt, vor allem aber bei dem Tausdensassa Roman Martin bestens aufgehoben. Gleichsam als Belohnung darf Martin wie einst bei einem philharmonischen Neujahrskonzert, auch Zitherklänge anbieten, die dann zu G’stanzl explodieren. Der Linzer Alois Walchshofer ist ein konzilianter Pleite-Gastronom und tendiert wie Paul Schmitzberger in die Richtung Charakterdarsteller. Die Damen sind allesamt stimmlich und darstellerisch voll Glanz und Gloria. Monika Rebholz mit dramatischer Opernstimme, Theresa Grabner, Irene Peios und Adelheid Brandstetter sind ebenso Glanzbesetzungen wie die komödiantische Uschi Plautz, die schließlich am vielfach positiven Ende ihren gebührenden Anteil hat. Giuseppe Preims zeigt, wie darstellerische Präsenz auch in einer Kleinstrolle zum Gesamteindruck beiträgt.
    Zuletzt sei das unübertreffliche Franz-Lehár-Orchester hervorgehoben. Unter dem an Temperament förmlich übersprühenden Marius Burkert gelang Konzertmeister Rainer Sulzgruber und seinen Musikern ein Optimum an Schlager-Affinität. Frenetischer Jubel!

    Bis 2. September; Karten: 06132/23839