„Typischer Crossing Europe-Film: Eigenwillig, exzentrisch, stark“

Religionsdrama „Beginning“ bei Linzer Filmfestival prämiert

Siegerfilm „Beginning“: Das Leben von Pfarrersfrau Yana ändert sich nach einem Brandanschlag auf die Kirche radikal.
Siegerfilm „Beginning“: Das Leben von Pfarrersfrau Yana ändert sich nach einem Brandanschlag auf die Kirche radikal. © Crossing Europe

Das georgische Drama „Dasatskisi/Beginning“ rund um eine Zeugen-Jehovas-Gemeinde und die ungarische Doku „Anyáim története/Her Mothers“ über ein gleichgeschlechtliches Elternpaar haben beim diesjährigen Crossing Europe Filmfestival in Linz die Hauptpreise abgeräumt.

Mit dem Publikumspreis wurde Samstagabend die Pandemie-Geschichte „Mila/Apples“ ausgezeichnet.

Positive Bilanz über „Corona-Ausgabe“

„Ich freue mich sehr, dass das heuer ein so diverser Preissegen war“, sagt Festivalleiterin Christine Dollhofer im VOLKSBLATT-Gespräch. „Gewonnen hat ein klassischer Crossing Europe-Film: eigenwillig, exzentrisch, stark — visuell und auch gesellschaftspolitisch.“ Und auch sonst fällt Dollhofers vorläufige Bilanz zur „Corona-Festivalausgabe“ sehr positiv aus: „Wir sind wahnsinnig glücklich, dass das so traumhaft über die Bühne gegangen ist“, so Dollhofer.

„So ungewiss wie dieses Jahr war es noch nie. Man hat nicht vorhersehen können, ob das Publikum kommt. Umso mehr freut es mich, dass das Festival so gut angenommen wurde. Ich bin sehr dankbar für diese Bindung und Treue zu Crossing Europe von vielen Seiten.“

In der Kategorie Fiction ging der mit 5000 Euro dotierte Preis an den Film „Dasatskisi/Beginning“ der georgischen Regisseurin Dea Kulumbegashvili. Im Zentrum der Handlung steht Yana, die Frau eines Gemeindevorstehers bei den Zeugen Jehovas, deren Leben durch einen Brandanschlag auf die Kirche aus den starren Bahnen, die im Film auch durch die statische Kamera unterstrichen werden, gerät.

Für die Jury war der Streifen „ein Film, der zum Sehen und Staunen einlädt, wie das Leben, facettenreich und komplex“ und eine „Wucht“. „Beginning“ ist übrigens als Teil des Streamingangebotes „Crossing Europe VOD-Premieren“ von 6. Juni bis 6. Juli auf Kino VOD Club zu sehen.

Als beste Doku (5000 Euro) wurde „Anyáim története/Her Mothers“ von Asia Dér und Sári Haragonics ausgezeichnet, der ein lesbisches Elternpaar im homophoben Klima Ungarns begleitet. „Im Film erzeugen die flüchtigen Nuancen des Alltags ein sehr starkes Bild davon, wie sich Freiheit (und der Mangel daran) anfühlt“, lobte die Jury.

Der ebenfalls mit 5000 Euro dotierte Publikumspreis ging an „Mila/Apples“ von Christos Nikou, in dem es um eine rätselhafte Pandemie geht, durch die sich Teile der Menschheit an ihr bisheriges Leben nicht mehr erinnern können.

Der erstmals verliehene New Vision Award des Festivalnetzwerks Moving Images Open Borders (MIOB, 3000 Euro) ging an das psychologische Drama „Preparations to be Together for an Unknown Period of Time“ von Lili Horvát, der Preis in der Jugendschiene YAAAS! an die finnische Produktion „Tottumiskysymys/Force of Habit“, in der es im Belästigung und Übergriffe im Alltag geht.

In der Local-Artist-Schiene wurden „2551.01“ des Steyrers Norbert Pfaffenbichler — laut Jury „ein Kunstwerk zwischen Albtraum und Apokalypse“ — und die Familiengeschichte „Schweben“ von Julia Windischbauer und Elena Wolff ausgezeichnet.

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