Udo auf dem Weg zum Rockstar

„Lindenberg! Mach dein Ding“ zeichnet die jungen Jahre nach

Udo (Jan Bülow) performt Andrea Doria.
Udo (Jan Bülow) performt Andrea Doria. © DCM_Letterbox_Sandra Hoever

Udo Lindenberg, heute in seinen Siebzigern, ist nach und nach zum Altrocker-Urgestein geworden, immer politisch korrekt, ein deutscher Vorzeigekünstler. Da hat man schon ganz vergessen, dass der junge Udo ein Aufreger war — einer, der sich in den Sechzigerjahren gegen die Nazi-Vätergeneration wandte, aber auch (die Romanze mit einem Ostberliner Mädchen im Hintergrund) gegen das geteilte Deutschland ansang. Widerstand — und das auf Deutsch. In einer Zeit, wo jeder meinte, man könne nur auf Englisch singen …

Der junge Udo auf dem Weg zum Rockstar ist das Thema dieses Films, den Regisseurin Hermine Huntgeburth als brave deutsche Entwicklungsgeschichte zeichnet. Dazu hat sie gleich drei Udos — das Kind (Jesse Hansen), das begeistert zuhört, wenn der grob gestrickte Vater (Charly Hübner) zur Schallplatte „La traviata“ dirigiert. Aber klar soll ihm schon sein: Die Lindenbergs werden Klempner, und sonst gar nichts. Schon der Teenager Udo (Claude Heinrich) mag sich damit nicht abfinden und träumt davon, „wie Glenn Miller“ eines Tages seine eigene Band zu haben. Und Udo, der Twen (mit permanent trotzigem Gesichtsausdruck: Jan Bülow, derzeit im Ensemble von Martin Kusejs Burgtheater), macht sich auf den Weg und verlässt die deutsche Kleinstadt und das Klempner Schicksal.

Er hatte stets seine eigenen Ambitionen

Er war als Musiker eigentlich ein begnadeter Jazz-Schlagzeuger, und damit hätte er es in den Bands anderer weit bringen können. Aber Udo Lindenberg hatte seine eigenen Ambitionen. Nun mag ja — bis heute — nicht jeder seine Songs (eine Mischung aus Lebensweisheit und Banalität) besonders erleuchtend finden. Aber als er damit kam, und noch dazu in seiner Muttersprache, die „von den Nazis gestohlen“ war, wie damals die allgemeine Meinung lautete — da schlug er jene neuen Töne an, die dann gehört wurden. In einem Nachkriegsdeutschland, das seine Identität suchte, war Udo Lindenberg dabei.

Der Film schneidet die Ebenen von Kindheit und Jugend (immer im Clinch mit dem Vater) und jene des entschlossenen Twens Udo durcheinander. Letztlich kam er mit vielen Umwegen ans Ziel —Kellner in Deutschland, Musiker bei der amerikanischen Truppenbetreuung in Libyen, bevor zurück in der Heimat Plattenboss Mattheisen (immer stark und schnoddrig: Detlev Buck) auf ihn setzte. Obwohl er sich standhaft weigerte, „Schlager“ zu singen.

Gar so viel passiert nicht, zweieinviertel Stunden ist ein bisschen lang für die Geschichte, die auf der Leinwand nicht sonderlich dramatisiert wird. Aber geschafft hat es Udo doch — er wollte ein deutscher Rockstar werden, und er wurde es. Ist es mit dem typischen Hut, der Sonnenbrille und dem rauchigen Gekrächze bis heute. Und der Udo war, wie man hört, mit dieser Rückschau auf seine Jugend sehr zufrieden.

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