Laut Aktivisten 80 Tote bei Blutbad in Myanmar am Freitag

Die Militärs in Myanmar haben in der viertgrößten Stadt des Landes möglicherweise ein Blutbad unter Demonstranten angerichtet. Es dauerte einen Tag, bis die Einzelheiten durchsickerten, aber nach Angaben von Aktivisten wurden bei der brutalen Niederschlagen von Protesten am Freitag in der Stadt Bago dutzende Menschen getötet. Die Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) sprach am Samstag von „über 80“ Toten.

Da die Militärjunta inzwischen das Mobilfunknetz stark gedrosselt hat, wird es zunehmend schwierig, Nachrichten über Razzien und Tote zu überprüfen. Von der Nachrichtenagentur AFP überprüfte Videoaufnahmen scheinen das brutale Vorgehen von Militär und Polizei in der rund 65 Kilometer nordöstlich von Yangon gelegenen Stadt jedoch zu bestätigen: Darauf ist zu sehen, wie Demonstranten hinter Sandsackbarrikaden kauern und mit selbst gebauten Gewehren hantieren, während im Hintergrund Explosionen zu hören sind.

Ein Anrainer berichtete AFP, wie Leichen in einen Armeelaster geladen wurden, der kurz darauf wegfuhr. Den Rettungskräften sei es nicht erlaubt worden, in die Nähe der Toten zu kommen. Viele Einwohner seien vor der Gewalt in die nächstgelegenen Dörfer geflüchtet.

Die staatliche Zeitung „New Light of Myanmar“ berichtete von einem Toten. Demnach waren die Behörden gegen „Aufrührer“ eingeschritten.

Das Büro der Vereinten Nationen in Myanmar erklärte am Samstagabend im Onlinedienst Twitter, es gehe der Gewalt in Bago nach. Den Verletzten sei medizinische Behandlung „verweigert“ worden. „Wir fordern die Sicherheitskräfte auf, medizinischem Personal zu erlauben, die Verletzten zu behandeln“, forderte das UN-Büro.

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Nach einer Zählung von AAPP wurden seit dem Militärputsch Anfang Februar mindestens 618 Zivilisten getötet. Ein Juntasprecher sprach hingegen am Freitag von 248 getöteten „gewalttätigen Terroristen“.

Zu gewaltsamen Zusammenstößen kam es am Samstag auch in der Stadt Tamu im Nordwesten Myanmar. Demonstranten setzten sich gegen Soldaten zur Wehr, die Barrikaden niederreißen wollte. Nach Angaben eines Anrainers wurden zwei Zivilisten getötet, als Soldaten wahllos in die Menge schossen. Außerdem seien mehr als ein Dutzend Soldaten getötet worden, als Demonstranten einen Sprengsatz auf einen Militärtransporter geworfen hätten.

Auch in der Wirtschaftsmetropole Yangon und der zweitgrößten Stadt Mandalay gingen die Proteste weiter. In Yangon beschmierten Demonstranten die Straßen unweit der berühmten Shwedagon-Pagode mit roter Farbe – stellvertretend für das bereits vergossene Blut.

Für scharfe Kritik sorgten unterdessen Berichte der Staatsmedien, wonach 19 Menschen von einem Militärgericht in Myanmar wegen Raubes und Mordes zum Tode verurteilt worden seien, davon 17 in Abwesenheit. Der Experte Phil Robertson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wies darauf hin, dass in dem südostasiatischen Land seit mehr als 30 Jahren keine Hinrichtungen mehr vorgenommen worden seien.

Da die Fälle vor einem Militärgericht gelandet seien, gebe es keine „Garantien für einen freien und fairen Prozess“ und auch keine Berufungsmöglichkeit, sagte Robertson. Er vermutet dahinter eine neue Strategie der Militärs, die Menschen einzuschüchtern, um sie von der Straße und zurück zur Arbeit zu zwingen. Norwegens Außenministerin Ine Eriksen Soreide bezeichnete die Todesurteile als eine „besorgniserregende Entwicklung“, die nicht hingenommen werden dürfe.

Der Putsch ließ auch alte Konflikte zwischen dem Militär und Rebellen der verschiedenen ethnischen Minderheiten wieder aufbrechen, von denen einige offen die Protestbewegung unterstützen. Im nördlichen Staat Shan überfiel die Rebellengruppe TNLA nach eigenen Angaben einen Polizeistützpunkt, dabei wurden örtlichen Medienberichten zufolge mehr als ein Dutzend Polizisten getötet.

Laut TNLA wurde bei anschließenden Luftangriffen des Militärs mindestens ein Rebellenkämpfer getötet. Das staatliche Fernsehen berichtete, der Polizeistützpunkt sei von „bewaffneten Terrorgruppen“ mit schweren Waffen angegriffen und in Brand gesetzt worden.

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