Über das Alter und über das Geld

Josefstädter Kammerspiele: Uraufführungen von Peter Turrini und Daniel Glattauer

V. l.: Silvia Meisterle, Martina Stilp, Roman Schmelzer und Michael Dangl in Glattauers Stück „Die Liebe Geld“.
V. l.: Silvia Meisterle, Martina Stilp, Roman Schmelzer und Michael Dangl in Glattauers Stück „Die Liebe Geld“. © Philine Hofmann

Noch für die vorige Saison hatte die Wiener Josefstadt in ihren Kammerspielen zwei Uraufführungen angesetzt, die dann Corona zum Opfer fielen.

So kommt es, dass nun im Herbst, wo man nachzuholen versucht, was vorbereitet war und liegen blieb, ein gewisser Uraufführungs-Stau zu konstatieren ist. Innerhalb einer Woche brachten zwei österreichische Promi-Autoren ihre neuen Stücke heraus: Bei Peter Turrini geht es in „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“ um ein altes Paar im Seniorenheim auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit, und Daniel Glattauer schickt seinen Helden in „Die Liebe Geld“ auf die Suche nach seinem Geld, das ihm die Bank nicht geben will … Beide Male durchaus Themen, die das Publikum angehen.

Turrinis chaotische Ehehölle

Johannes und Helga sind gut 40 Jahre verheiratet – durchschnittliche Menschen, obwohl sie reicher waren als die meisten. Im Luxusappartement der Seniorenresidenz liefern sie sich ihre Zimmerschlacht und Ehehölle, ihre sonnigen Erinnerungen und Liebesszenen, wie sie gerade aus den verstörten Hirnen kommen, die nichts festhalten und von einer Minute zur anderen über Jahrzehnte stolpern.

Da Turrini solcherart nicht nur szenisches Chaos verursacht, sondern – wie es seine Art ist – krude Effekte nicht scheut, werden die alten Leute bei ihm nicht eben betulich, aber auch nicht übermäßig interessant. Immerhin hat Johannes Krisch eine Traumrolle gefunden, die ihn in zahllosen verschiedenen Nuancen herumtoben lässt, und Maria Köstlinger spielt tapfer dagegen an, dass sie für ihre Rolle nicht annähernd alt genug ist (woran die weiße Perücke nichts ändert).

Daniel Glattauer kennt man als den Erfolgsautor, der Liebende hinter dem Computer zusammengebracht hat und mit Ehekrisen amüsierte (zuletzt „Die Wunderübung“, auch verfilmt).

Glattauers irreale Satire

Nun hat er sich ein Thema vorgenommen, das er „lustig“ behandelt, das aber für den Alltagsmenschen so komisch nicht ist: Zwar zappelt Hauptdarsteller Roman Schmelzer sehr amüsant herum, wenn zahllose Versuche fehlschlagen, verschiedenen Bankomaten mit seiner Kreditkarte das nötige Bargeld zu entlocken (man kennt die Situation).

Aber wenn dann die Banker in ihrer ganzen skrupellosen Unverfrorenheit auf die Bühne kommen (voran Michael Dangl, den man auf Anhieb ins Gefängnis stecken möchte), hebt die Satire ins Irreale ab und hat weniger Substanz als die pausenlosen eineinhalb Stunden brauchen würden. Das Publikum lachte mit dem unguten Gefühl im Bauch, dass das Geld, das von Glattauer zur „Liebe“ aller erklärt wurde, tatsächlich einmal futsch sein könnte.

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