„Über den tieferen Sinn nachdenken“

Kardinal Schönborn kann der Debatte um den Karfreitag auch ein Gutes abgewinnen

In einer gemeinsamen Aktion haben in Wien Vertreter der Evangelischen Kirchen A.B. und H.B sowie Methodisten und Altkatholiken gegen die neue Karfreitagsregelung protestiert. Anderswo wiederum läuteten am Karfreitag um 15 Uhr die Kirchenglocken. Gestern galt erstmals die Regelung des „persönlichen Feiertags“, der aus dem eigenen Urlaubskontingent genommen werden muss, was einmal im Jahr aber auch gegen den Willen des Arbeitgebers geschehen kann.
In einer gemeinsamen Aktion haben in Wien Vertreter der Evangelischen Kirchen A.B. und H.B sowie Methodisten und Altkatholiken gegen die neue Karfreitagsregelung protestiert. Anderswo wiederum läuteten am Karfreitag um 15 Uhr die Kirchenglocken. Gestern galt erstmals die Regelung des „persönlichen Feiertags“, der aus dem eigenen Urlaubskontingent genommen werden muss, was einmal im Jahr aber auch gegen den Willen des Arbeitgebers geschehen kann. © APA/Neubauer

In Wien sowie in Orten und Städten in mehreren Bundesländern — auch in Oberösterreich — haben gestern Mitglieder der von der Streichung des Karfreitags als allgemeinem Feiertag betroffenen Kirchen protestiert.

Glauben öffentlich leben

Die neue Regelung erwecke den Eindruck, dass Religion und Glaube ins Private abgedrängt werden sollen, kritisierte etwa der Wiener Superintendent der Evangelischen Kirche, Matthias Geist, im Gespräch mit der APA. „Jede Minderheit sollte doch das Recht in einer offenen Gesellschaft zugestanden bekommen, dass wir unseren Glauben auch öffentlich leben und einen Feiertag in Anspruch nehmen können.“

Er appellierte an die Bundesregierung, die Regelung zu überdenken: „Meine Erwartung ist, dass der Karfreitag doch ein Feiertag für alle Österreicherinnen und Österreicher wird“, sagte Geist. Die evangelische Kirche hat, wie ausführlich berichtet, bereits angekündigt, bis Mitte Mai eine Verfassungsklage auszuarbeiten.

Kardinal Christoph Schönborn wiederum hat gestern appelliert, die Karfreitagsdebatte sinnvoll zu nützen. „Wenn die heftige Debatte um den Karfreitag auch ein Gutes hat, dann wohl dies, dass sie hoffentlich dazu beiträgt, über den tieferen Sinn des Karfreitags wieder stärker nachzudenken“, sagte Schönborn in einem Audiobeitrag auf der Website der Katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at).

Der Tod Jesu am Kreuz sei tatsächlich der Moment, „von dem wir glauben, dass er die Erlösung der Menschheit ist“. Wenn Jesus am Kreuz gebetet hat, „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“, dann habe er das nicht nur für die getan, die ihn kreuzigten, sondern Jesus habe damit für alle Menschen die Vergebung erbeten, betonte der Kardinal.

Auch der evangelische Bischof Michael Bünker hat sich in einem Audiobeitrag auf www.katholisch.at zum Karfreitag geäußert. Der Karfreitag wolle auch den Blick öffnen für jene Menschen, die heute unter Ungerechtigkeit leiden, die schweres Leiden zu tragen haben und die von Krieg und Gewalt bedroht sind, so Bünker: „Wir sollen das Leiden nicht wegschieben und übersehen, wir sollen es auch nicht selbst vergrößern, sondern wir sollen alles tun, was möglich ist, um es zu verhindern.“

AK will Feiertags-Ersatz

Einen kuriosen Beitrag zur Karfreitagsdebatte lieferte die Arbeiterkammer. Unter Verweis darauf, dass im heurigen Jahr von den 13 gesetzlichen Feiertagen zwei (der 6. Jänner und der 8. Dezember) auf einen Sonntag fallen und der 26. Oktober zudem ein Samstag ist, forderte AK-Präsidentin Renate Anderl „einen Ausgleich für verfallende Tage“. Gesetzliche Feiertage sind neben den drei genannten der 1. Jänner, der Ostermontag, der 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, der 15. August, Allerheiligen (1. November) sowie der 25. und 26. Dezember.

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