Über eine Biografie hinaus

Heide Stockinger über ihr Franz-Léhar-Buch „Dein ist mein ganzes Herz“

Haben das neue Léhar-Buch herausgegeben: Heide Stockinger und Kai-Uwe Karrels.
Haben das neue Léhar-Buch herausgegeben: Heide Stockinger und Kai-Uwe Karrels. © Wolfgang W. Luif

Die jüngste Neuerscheinung am musikalischen Büchermarkt ist ein Franz-Lehár-Lesebuch, das die fachkundige Autorin und Journalistin Heide Stockinger gemeinsam mit Kai-Uwe Garrels als Herausgeber ausweist und aus Anlass des 150. Geburtstages des Operettenkomponisten am 30. April 2020 produziert wurde.

Über die Entstehung des über eine Biografie hinaus reichenden Buches mit dem Titel „Dein ist mein ganzes Herz“ und seine tiefgründigen Informationen über die auch gesellschaftliche Bedeutung Lehárs sprach das VOLKSBLATT mit Heide Stockinger.

VOLKSBLATT: Es gibt bekanntlich etliche Publikationen, auch Biografien über Franz Lehár. Warum gerade dieses Lesebuch, das zu seinem 150. Geburtstag sein Leben von einer anderen Seite behandelt und eine Wissensbereicherung über seine Persönlichkeit darstellt?

HEIDE STOCKINGER: Auf den berühmten Freund und Tenor Richard Tauber, über den ich vor zwei Jahren ein Buch veröffentlicht habe, musste einfach Franz Lehár folgen. Es sollte untersucht werden, wie durch diverse Beiträge von eng vertrauten Autoren im Umkreis Lehárs aus unterschiedlichen thematischen Blickwinkeln seine Persönlichkeit als Mensch und Komponist beleuchtet werden kann.

Wo haben Sie mit ihrer Arbeit gestartet? Bad Ischl mit der Villa und Wien, wo das ehemalige Schikaneder Schlössl nach Lehár benannt ist, waren natürlich aufzusuchende Orte, wo man auch fündig wurde.

Die Zeit für eine planmäßige Fertigstellung — nur etwas mehr als vier Monate — wurde sehr knapp, zumal auch ein Verlagswechsel in Kauf genommen werden musste. Dann hat uns die Corona-Krise den Termin der Präsentation vereitelt. Den ersten entscheidenden Schritt unternahm ich selbst mit einer Reise nach Wien zum Böhlau-Verlag. Für das Projekt gewonnen, nahm ich mit Lehár-Experten als kompetente Autoren den Kontakt auf, die ihre Beiträge pünktlich lieferten.

Wie sah der Nachlass in den Gedenkstätten aus?

Es gab mit herzlichen Widmungen gefüllte Gästebücher, in denen sich Literaten, Komponisten, philharmonische Musiker und Dirigenten verewigt haben und Gratulationsbriefe. Das ganze kulturelle Wien war im Schlössl zu Gast. In Wien in der Staatsoper ging auch Lehárs Traum von einer Uraufführung seiner Operette 1934 endlich in Erfüllung, ebendort gefolgt von seinem „Land des Lächelns“ vier Jahre später.

Wie war Lehárs Verhältnis zu anderen Komponisten?

Es ist bekannt, dass Richard Strauss kein gutes Haar an Lehár ließ und ihn verfolgte. Giacomo Puccini hingegen pflegte eine enge Freundschaft zu Lehár und bewunderte ihn auch wegen seiner souverän beherrschten Instrumentationskunst, die er sich durch seine Erfahrung bei der Militärkapelle erwarb.

Unzertrennlich im Leben mit Richard Tauber, dem Lehár seine Musik auf den Leib schrieb, so auch im Tod. Beide starben 1948. Hat auch Tauber komponiert?

Ja, man weiß von drei Operetten, von denen sich für eine auch Linz interessierte.

Hat der in Komárom (heutige Slowakei) geborene Lehár eigentlich Ungarisch gesprochen?

Ja, es gibt davon Aufnahmen, und man weiß auch, dass er mit einem ungarischen Orden ausgezeichnet war und sich gerne zu dem Land Ungarn bekannte.

Mit HEIDE STOCKINGER sprach Georgina Szeless

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