Überbewertung bei heimischen Immobilien auf Rekordhoch

OeNb ortet bei Immobilien große Abweichung von Fundamentalpreis. © APA/ROLAND SCHLAGER

In Wien sind die Wohnimmobilienpreise heuer im ersten Quartal laut OeNB im Jahresabstand um 11,8 Prozent und in Restösterreich um 12,9 Prozent gestiegen. Der OeNB-Fundamentalpreisindikator, der die Abweichung der Preise vom Fundamentalpreis misst, liegt nun bei 35 Prozent, um 5 Prozentpunkte über dem Wert des Vorquartals und 16 Prozentpunkte über dem ersten Quartal 2021. Ein derart hoher Anstieg wurde laut Nationalbank seit Zeitreihenbeginn im Jahr 1989 noch nie verzeichnet.

Für Wien betrug der OeNB-Fundamentalpreisindikator 40 Prozent, was einen Anstieg um 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal bedeutet,wie aus der aktuellen Immobilienmarktanalyse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervorgeht. Der Fundamentalpreisindikator setzt sich aus den Teilindikatoren reale Immobilienpreise, Leistbarkeit, Immobilienpreise zu Mieten, Wohnimmobilienpreise zu Baukosten, Kredittragfähigkeit, Wohninvestitionen zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Zinsrisiko zusammen. Die Abweichung der Preisentwicklung bei Wohnimmobilien von der Entwicklung der im Fundamentalpreisindikator enthaltenen Faktoren habe „sich damit in den letzten Quartalen deutlich beschleunigt, was auf eine zunehmende Überhitzung des Wohnimmobilienmarktes“ hindeute, hieß es von der Nationalbank.

Der seit der zweiten Jahreshälfte 2020 zu beobachtende Trend stark steigender Immobilienpreise hat sich laut OeNB weiter fortgesetzt. Das sechste Quartal in Folge waren bei Wohnimmobilien Preiszuwächse im Jahresabstand über der 10-Prozent-Marke sowohl in Wien als auch im restlichen Bundesgebiet zu verzeichnen.

Die Nationalbank erwartet nun aber einen abklingenden Boom im Wohnbau. Durch die hohe Bauleistung in Verbindung mit einem schwächer werdenden Bevölkerungswachstum gebe es 2022 österreichweit ein Überangebot von knapp 30.000 Wohnungen. „Die daraus resultierende Abschwächung der Nachfrage in Verbindung mit Engpässen bei Baumaterialien und möglichen Zinsanstiegen lässt ein Auslaufen des Booms im Wohnbau erwarten“, so die OeNB.

Auch das Wachstum der Wohnbaukredite an private Haushalte hat sich laut Nationalbank in den ersten Monaten 2022 weiter leicht beschleunigt und betrug heuer im März 7,2 Prozent. Die durchschnittlichen Zinsen für Wohnbaukredite an private Haushalte in Euro waren im März 2022 mit 1,27 Prozent zwar um 9 Basispunkte höher als vor Jahresfrist, aber noch immer niedriger als vor Beginn der Corona-Pandemie. „Nach wie vor bergen die an private Haushalte vergebenen Wohnbaukredite ein erhebliches Zinsänderungsrisiko. Immer noch werden Kredite an Haushalte für Wohnbauzwecke zu mehr als einem Drittel variabel verzinst aufgenommen“, warnte die Nationalbank.

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