Übermut und Sonnentanz

40 Jahre Klangwolke mit Bombast abgefeiert

++ HANDOUT ++ VISUALISIERTE KLANGWOLKE

Von Mariella Moshammer

Dass das mit dem Menschen und dem lebensbringenden Fixstern Sonne mitunter schief gehen kann, ist schon nach eine paar Minuten im Linzer Donaupark klar. Ikarus, unbelehrbar, aber auch mutig, vorwärtsstrebend und unaufhaltsam, verbrennt sich böse die überdimensionalen Flügel und Beine, als er sich auf den Weg zur strahlenden Sonne macht. Nur noch ein spektakulärer Sprung in die Donau kann ihn — respektive den Stuntman — retten. Ja, wir sind mitten in der Klangwolke, die am Samstag ihren 40er mit viel Remmidemmi der Donau entlang zwischen Kunstmuseum Lentos und Brucknerhaus feierte.

100.000 Zuschauer kamen, trotzten den Regentropfen, die das Thema „Solar“ ignorierend vereinzelt fielen und bekamen all das, was so eine richtige Klangwolke ausmacht, auch Hauptsponsor Sparkasse OÖ sei Dank. Über die Donau schipperten Schiffe, die wunderbar bespielt wurden — ob mit bewegten Altarbildern, funktionsfähigem Riesenrad, Monstermenschen, die die Sonneneinstrahlung am Ende den Kopf (und mehr) kostet — nicht die einzigen kritischen Töne an diesem Abend, Stichworte Klimawandel, Klimaflucht …

Der Ikarus schwebt hoch über den Köpfen, leuchtet, sprüht und brennt, wie Feuer überhaupt häufig eingesetzt wird von David Pountey, hochverdienter Regisseur und u.a. langjähriger Intendant der Bregenzer Festspiele, der mit Robert Innes Hopkins für die Jubiläums-Klangwolke verantwortlich zeichnete.

Kollektives Schwenken

Beeindruckend waren auch die auf eine riesige Scheibe projizierten Videos von David Haneke (Sohn des Star-Regisseurs Michael Haneke, der sich die Klangwolke nicht entgehen ließ) mit u.a. tollen Tanzszenen (Choreografie: Amir Hosseinpour). Musikalisch kamen Brucknersche Klänge an diesem Abend dank Nick Powell und James Pountney ganz cool daher, animierten manchen, das Bein zu schwingen. Zum kollektiven Mitmachen luden gegen Ende die verteilten Sonnenblumen, die kräftig geschwenkt werden sollten, bevor das obligate Feuerwerk — wie immer bombastisch über der Donau, die eine Stunde lang perfekt als Bühne gedient hatte — kam. Noch „Here Comes The Sun“, Dankeschön, 40 Jahre Klangwolke.

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