Übernahmekarussell dreht sich in der Coronakrise schneller

Mitten in der Coronakrise haben Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions) heuer im ersten Halbjahr deutlich an Fahrt gewonnen. Die weltweiten M&A-Aktivitäten erreichten ein Zehn-Jahres-Hoch, wie das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) berichtete. Das Transaktionsvolumen habe sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 auf 2.062 Mrd. Dollar (1.774,83 Mrd. Euro) mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Deals sei um knapp ein Drittel auf rund 19.000 gestiegen.

Auslöser für diese Dynamik bei den Unternehmenskäufen seien der Wirtschaftsaufschwung, vor allem in den von Covid-19 stark betroffenen Branchen, das niedrige Zinsniveau und „eine beträchtliche Menge an Kapital, das sich angesammelt hat“. Die Consulter rechnen mit einer weiteren Zunahme, da nun Geschäftsmodelle angepasst und Schulden abgebaut würden.

„Unternehmen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen, investieren in digitale Kompetenzen, kaufen aber auch Kapazitäten und Know-how, zum Beispiel in Form von Talenten, durch Übernahmen zu“, erklärte Studien-Co-Autor und BCG-Partner Jens Kengelbach.

Weltweit gab es heuer zwischen Jänner und Juni 24 Megadeals mit einem Transaktionsvolumen von jeweils mindestens 10 Mrd. Dollar, 2020 waren es im selben Zeitraum 9, wie der aktuelle Global M&A Report von BCG zeigt, der in Zusammenarbeit mit Professor Sönke Sievers von der Universität Paderborn erstellt wurde.

Der österreichische M&A-Markt hatte 2020 nach dem ersten Lockdown mit starken Einbrüchen im zweiten und dritten Quartal reagiert. Doch bereits im vierten Quartal des ersten Coronajahres kam es zu einer starken Erholung – die Anzahl der Fusionen und Übernahmen erreichte mit 61 Deals das Eineinhalbfache, das Transaktionsvolumen mit 3,4 Mrd. Dollar sogar das Dreifache des Durchschnittes der vorangegangenen drei Quartale. 2021 ging es beschleunigt weiter. Heuer in den ersten acht Monaten legte die Zahl der Transaktionen gegenüber dem – freilich noch pandemiegebremsten – Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel zu. Der Gesamtwert der Deals verdoppelte sich heuer zwischen Jänner und August nahezu auf 5,8 Mrd. Dollar.

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Zu den größten Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 1 Mrd. Dollar gehörten die Übernahme der CA Immobilien Anlagen durch die US-Beteiligungsgesellschaft Starwood Capital sowie der Ankauf der Mehrheitsanteile am Folien- und Verpackungshersteller Schur Flexibles durch die B&C Privatstiftung.

„Insbesondere in den letzten Monaten normalisierte sich der Trend etwa auf Vorkrisenniveau. Sollten jedoch bis Jahresende noch einige Megadeals abgeschlossen werden, könnte 2021 für Österreich sogar ein überdurchschnittliches Jahr werden“, so BCG-Partner Tibor Mérey in Wien.

Weltweit erholten sich die Private-Equity- und Venture-Capital-Investitionen rasch von der Krise. Die institutionellen Investoren verfügen dem Beratungsunternehmen zufolge über reichlich „Dry Powder“, also über Geld, das bereits eingesammelt, aber noch nicht investiert wurde. Der Kapitalzuwachs in den ersten drei Quartalen 2021 habe im Vergleich zum gesamten Vorjahr 13 Prozent erreicht. Zusätzlich seien seit einigen Monaten vermehrt Special-Purpose Acquisition Companies (SPACs) an die Börse gegangen und sorgten „für eine rege Entwicklung des M&A-Marktes“.

„SPACs – Mantelgesellschaften, die Kapital über einen Börsengang einsammeln und es in einem zweiten Schritt in die Übernahme eines Unternehmens investieren – sind ein etablierter Weg geworden, um insbesondere Wachstumsunternehmen mit einer Bewertung zwischen einer halben und 10 Milliarden US-Dollar an die Börse zu bringen“, erklärte Kengelbach.

Der „Global M&A Report“ basiert laut BCG auf einer Datenbasis mit mehr als 842.000 Transaktionen, die bis in das Jahr 1980 zurückgehen, sowie einer repräsentativen Stichprobe von rund 5.500 Corporate Divestments von börsennotierten Unternehmen. Für die Analyse der allgemeinen Markttrends seien Deals im Zeitraum von Jänner 2013 bis Juni 2021 berücksichtigt worden. Darüber hinaus seien Umfragen unter „M&A- und Carve-out-Entscheidungträgern“ durchgeführt worden.

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