Überraschungen in Vorarlberg

Ex-SPÖ-Chef Ritsch gewann in Bregenz — Matt erster grüner Ortschef

Mit Bürgermeister-Stichwahlen in sechs Kommunen wurden gestern die Vorarlberger Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen 2020 abgeschlossen und sie endeten durchaus überraschend: Der ehemalige SPÖ-Parteichef Michael Ritsch (52) setzte sich bei seinem vierten Antreten in der Landeshauptstadt Bregenz durch und stieß Bürgermeister Markus Linhart (60, ÖVP) vom Sessel. Der aktuelle SPÖ-Chef Martin Staudinger machte mit seinem Erfolg in Hard am Bodensee den „roten Sonntag“ perfekt. Beinahe hätte in Bludenz SPÖ-Kandidat Mario Leiter das „Double“ zu einem „Triple-Erfolg“ ausgebaut, doch blieb er letztendlich 222 Stimmen hinter ÖVP-Newcomer Simon Tschann zurück. Der 28-jährige Tschann wird dadurch zum aktuell jüngsten Bürgermeister Vorarlbergs. Ungefährdet blieb ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Matt in Feldkirch — ein kleiner Trost für die Volkspartei. Neben Feldkirch und Bludenz ist Dornbirn die einzige verbliebene Stadt mit einem ÖVP-Oberhaupt (Andrea Kaufmann). Vor fünf Jahren ging bereits Hohenems an die FPÖ (Dieter Egger) „verloren“.

In Lochau am Bodensee holte Augenarzt Frank Matt beinahe sieben Prozentpunkte Rückstand auf Bürgermeister Michael Simma (ÖVP) aus dem ersten Wahlgang auf. Der vor zehn Jahren in die Politik eingestiegene Matt krönte sich damit zum ersten Bürgermeister der Grünen in Vorarlberg. Und auch in Lech am Arlberg standen die Zeichen auf Veränderung: Dort löste Stefan Jochum Langzeitbürgermeister Ludwig Muxel (seit 1993) ab. Muxel konnte zwar etwas von seinem Rückstand gegenüber Jochum aus dem ersten Wahlgang wettmachen, blieb letztlich aber doch deutlich um über sechs Prozentpunkte hinter Jochum zurück.

Trotzdem bleibt die ÖVP auch im Ländle die Bürgermeisterpartei: Von den 65 vom Volk gewählten Bürgermeistern stehen 57 der ÖVP nahe, 4 kommen aus der SPÖ, 3 aus der FPÖ und nun gibt es einen Grünen. Die restlichen 31 Bürgermeister werden bis 13. Oktober von der jeweiligen Gemeindevertretung gewählt.

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