Russischer Großangriff im Donbass erwartet

Die russischen Streitkräfte bereiten nach ukrainischen Angaben einen groß angelegten Angriff auf den Raum Slowjansk, das Zentrum der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbass, vor. Zudem steht die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk vor der Einnahme. Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, sprach von sehr heftigen Kämpfen mit starkem Beschuss. Die Ukraine und Russland beklagten sieben tote Zivilisten in der Region.

Im Gebiet Donezk seien drei Menschen durch russischen Beschuss getötet worden, teilte Gouverneur Pawlo Kyrylenko auf Telegram mit. In der Region Charkiw starb nach Angaben der Online-Zeitung „Ukrajinska Prawda“ ein Mann durch russische Granaten. Die russische Seite sprach der Agentur TASS zufolge von zwei getöteten Zivilisten durch ukrainische Angriffe im Gebiet Donezk sowie zwei getöteten Frauen im Gebiet Luhansk. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

In der Ostukraine wurde zudem ein französischer Kriegsreporter getötet. Der TV-Journalist Frédéric Leclerc-Imhoff sei bei Sjewjerodonezk ums Leben gekommen, als er eine humanitäre Evakuierung begleitete, teilten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Außenministerin Catherine Colonna am Montag mit.

Die beiden selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine sind von Moskau als unabhängige Staaten anerkannt. Ihre Einnahme zählt zu Russlands Zielen in dem Krieg. Den Angriff auf das Nachbarland hatte Moskau am 24. Februar begonnen. Nach einer Zählung der Vereinten Nationen wurden seither mindestens 4.074 Zivilisten getötet. Die tatsächliche Zahl liegt auch nach UNO-Schätzungen vermutlich deutlich höher.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) verteidigte am Montagabend auf Puls 24 in der TV-Sendung „Newsroom Live“ die Bemühungen Österreichs und anderer westlicher Regierungschefs das Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu suchen: „Ich halte für vollkommen richtig, dass Österreich versucht, Gesprächskanäle offenzuhalten. Auf jeden Fall ist mit Putin ein Gespräch notwendig.“ Auf die Frage, ob die Ukraine Gebietsverluste hinnehmen müsse, um den Krieg zu beenden, meinte Schallenberg: „Diese Entscheidung sollten nicht wir durch gute oder weniger gute Zurufe von außen steuern.“ Die Ukraine entscheide alleine, wann sie in Friedensverhandlungen treten würde.

Zur angedrohten Blockade der Getreideexporte, falls die Sanktionen nicht fallen, erklärte der Außenminister, dass es Putin bewusst sein müsse, dass er nicht die ganze Welt in Geiselhaft nehmen könne. Ein Nahrungskrieg werde auf ihn zurückfallen, fuhr Schallenberg fort. „Der russische Präsident muss wissen, dass er mit dem Feuer spielt.“

Putin zeigte sich unterdessen bei einer Aufhebung von Sanktionen gegen Moskau zu kräftigen Exporten von Düngemitteln und Lebensmitteln bereit. Das teilte der Kreml nach einem Telefonat von Putin mit dem türkischen Präsidenten Tayyip Recep Erdogan mit. Außerdem würde Russland bei einem Ende der Strafmaßnahmen in Abstimmung mit der Türkei die Ausfuhr von Getreide aus ukrainischen Häfen ermöglichen.

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