Russland nimmt Langstrecken-Waffen in der Ukraine ins Visier

Russland setzt Angriffe in der Ostukraine fort © APA/AFP/SERGEY BOBOK

Russland konzentriert sich in der Ukraine nach eigenen Angaben auf die Zerstörung von Langstrecken- und Artilleriewaffen. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Kommandanten befohlen, dies zu ihrer Priorität zu machen, teilte sein Ministerium am Montag mit. Die Ukraine hatte zuvor berichtet, seit kurzem aus dem Westen gelieferte Waffen für erfolgreiche Angriffe auf russische Nachschublinien einzusetzen.

Das Moskauer Verteidigungsministerium warf der ukrainischen Armee dagegen vor, Wohngebiete in russisch kontrollierten Donbass-Gebieten anzugreifen. Großbritannien teilte mit, laut Geheimdienstinformationen verstärke Russland mit Söldnern der Gruppe Wagner seine Truppen an der Front.

Schoigu inspizierte seinem Ministerium zufolge die in der Ukraine kämpfende Wostok-Gruppe. Er habe dem Kommandanten aufgetragen, „den Langstrecken- und Artilleriewaffen des Feindes Priorität einzuräumen“. Erst am Samstag hatte Schoigu demnach eine Verstärkung der Militäroperationen angeordnet. Damit sollten Raketen- und Artillerieeinsätze auf zivile Ziele im Donbass verhindert werden. Das Ministerium warf der Ukraine auch vor, absichtlich Weizenfelder und Getreidesilos in Brand zu setzen.

Seit der russischen Invasion am 24. Februar haben die USA und ihre Verbündeten der Ukraine Militärgüter im Milliardenwert geliefert. Dazu gehören auch Langstreckenwaffen, die nach Angaben aus Kiew im Kampf ihre Wirkung zu entfalten beginnen. So sollen ukrainische Truppen erfolgreich rund 30 russische Logistikzentren und Munitionslager attackiert und dabei kürzlich aus dem Westen erhaltene Mehrfachraketenwerfer eingesetzt haben. Informationen zum Kampfgeschehen beider Seiten können unabhängig nicht bestätigt werden.

Das britische Verteidigungsministerium teilte unter Verweis auf Geheimdienst-Erkenntnisse mit, die Söldnergruppe Wagner senke ihre Rekrutierungsstandards und stelle auch verurteilte Straftäter sowie bisher für den Einsatz gesperrte Personen ein. Dies könne potenziell Auswirkungen auf die Schlagkraft des russischen Militärs haben. Russland spricht bei seinem Vorgehen in der Ukraine von einer Spezialoperation mit dem Ziel, militärische Kapazitäten in der Ukraine zu zerstören sowie gegen als gefährlich eingestufte Nationalisten vorzugehen. Die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten sehen darin einen Vorwand für einen Angriffskrieg.

Nach jüngsten Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland bisher mehr als 3000 Marschflugkörper eingesetzt. Hinzu kämen zahllose Angriffe auch mit Artillerie. Vor allem im Donbass erzielen die russischen Truppen Geländegewinne.

Im Gebiet Donezk sei eine Gruppierung ausländischer Söldner angegriffen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montag. Es seien bis zu 250 Kämpfer getötet worden. Unabhängig überprüfen lässt sich die Zahl nicht. Die ukrainische Seite berichtete, dass auf dem von ihr kontrollierten Teil von Donezk am Vortag zwei Zivilisten getötet worden seien. Zehn weitere seien verletzt worden, sagte der Militärgouverneur des Gebiets, Pawlo Kyrylenko.

In der Stadt Torezk in der ostukrainischen Region Donezk sind nach Angaben des staatlichen Notfalldienstes sechs Menschen durch russischen Beschuss getötet worden. Fünf Leichen seien aus den Trümmern eines zweistöckigen Hauses geborgen worden, teilt der Dienst auf Facebook mit. Ein weiterer Mensch sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Russland hat wiederholt erklärt, bei dem von ihm so bezeichneten militärischen Sondereinsatz würden keine Zivilisten vorsätzlich angegriffen.

Der ukrainische Generalstab berichtete, in mehreren Orten der Region Donezk seien russische Angriffe zurückgeschlagen worden. Kampfhandlungen gebe es aktuell nahe Horliwka zwischen den Städten Luhansk und Donezk. In der umkämpften Stadt Mykolaiw im Süden der Ukraine hat es nach ukrainischen Angaben in der Nacht mindestens zehn Explosionen gegeben. Informationen über Opfer lägen zunächst nicht vor.

Internationale Finanzhilfen an die Ukraine müssen nach Angaben aus dem Umfeld des Präsidialamts in Kiew in den kommenden Monaten erhöht werden, um eine Krise zu vermeiden. Ansonsten könne die Finanzstabilität des Landes während des Kriegs mit Russland nicht gewährleistet werden, sagt Tymofyj Mylowanow, ein Berater des Präsidialamtes, einem ukrainischen Fernsehsender. Ohne Ausgabenkürzungen sowie erhöhte Hilfen seiner Verbündeten dauere es bis zu einer Finanzkrise nur noch ein oder zwei Monate.

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