Ukraines Topschwimmer Romantschuk: „Wir verteidigen Europa“

Wellbrock und Romantschuk trainieren zusammen © APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK

Schwimmer Michailo Romantschuk hat sich angesichts des russischen Angriffskriegs in seiner ukrainischen Heimat mit emotionalen Worten über die Invasion geäußert. „Wir verteidigen nicht nur die Ukraine, wir verteidigen ganz Europa“, sagte der 25-Jährige am Montag in den Katakomben der Duna Arena in Budapest. „Ich weiß, dass mehr als zehn Sportler in diesem Krieg gestorben sind. Wenn Leute sagen, dass Sport nicht politisch ist, ist das nicht wahr. Sport ist die größte Politik.“

Sportlich überzeugte der zweimalige Olympia-Medaillengewinner bei den Weltmeisterschaften in der ungarischen Hauptstadt mit der besten Vorlaufzeit über 800 m Kraul. Er war um fünf Hundertstelsekunden schneller als sein guter Freund Florian Wellbrock, gegen den deutschen Schwimm-Star geht es im Finale am Dienstag um eine Medaille. Dass Romantschuk überhaupt bei den Titelkämpfen in Ungarn dabei sein kann, hat er auch seinem Rivalen Wellbrock zu verdanken.

Zwei Wochen nach Kriegsbeginn nahm Romantschuk eine Einladung Wellbrocks an, um sich in der deutschen Trainingsgruppe in Magdeburg auf die WM vorzubereiten. „Seine finale Entscheidung ist dann gefallen, als seine letzte Trainingshalle mit einem 50-Meter-Becken kaputt gebombt wurde“, sagte der 24-Jährige der dpa. Kurz vor dem Auftakt in Budapest ergänzte der Freiwasser-Olympiasieger: „Das Wichtigste ist, dass er einen sicheren Ort hat, wo er seine Träume verfolgen kann.“

Besonders Romantschuks mentale Stärke bewunderte Wellbrock. „Was er gerade erlebt und was seine Familienmitglieder und Freunde berichten, das sind Dinge, mit denen wir alle Gott sei Dank noch nie in Kontakt gekommen sind“, betonte er. Zu 95 Prozent lasse sich der Ukrainer nichts anmerken, er ziehe sein Training konsequent durch. Romantschuk bildete gemeinsam mit Wellbrock und Lukas Märtens die wohl stärkste Trainingsgruppe der Welt.

„Es ist mir ein Vergnügen, ihrer Trainingsgruppe beizuwohnen. Wenn mich das deutsche Team nicht eingeladen hätte, wäre ich jetzt nicht hier“, sagte Romantschuk am Montag. Nach dem Vorlauf über 800 m, den er direkt neben Wellbrock schwamm, klatschten sich die beiden respektvoll ab. „Wir haben ein gutes freundschaftliches Verhältnis“, betonte Wellbrock.

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