Ukrainisches Militär verhindert Kessel um Lyssytschansk

Im Osten ist das ukrainische Militär in Bedrängnis © APA/AFP/ANATOLII STEPANOV

Das ukrainische Militär hat westlich von Lyssytschansk russische Angriffe zurückgeschlagen und damit eine Einkesselung der strategisch wichtigen Großstadt im Osten der Ukraine verhindert. „Nahe Werchnjokamjanka haben die Verteidigungskräfte dem Feind erhebliche Verluste zugefügt und ihn zum Rückzug gezwungen“, teilte der ukrainische Generalstab am Montag in seinem Lagebericht mit. Berichte über Tote nach russischen Angriffen gab es indes in Mykolajiw.

Werchnjokamjanka liegt nur wenige Kilometer westlich von Lyssytschansk an der letzten wichtigen Versorgungsstraße für die Stadt. Lyssytschansk selbst war nach ukrainischen Angaben erneut Ziel schwerer Luft- und Artillerieangriffe. Russische Einheiten stehen im Süden bereits am Stadtrand. Mehrere Vororte sind ebenfalls unter Feuer geraten. In der Stadt sollen noch mehrere tausend ukrainische Soldaten stationiert sein.

Die ukrainischen Behörden forderten Zivilisten dringend zum Verlassen von Lyssytschansk, der letzten größeren ukrainischen Bastion in der Region Luhansk, auf. „Die Situation in der Stadt ist sehr schwierig“, schreibt der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, auf Telegram. Es gebe eine reale Bedrohung für Leib und Leben, schrieb Hajdaj. Wie viele Zivilisten noch in Lyssytschansk sind, blieb unklar.

Vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar lebten dort rund 100.000 Menschen. „Die Situation in der Stadt ist sehr schwierig“, erklärte Hajdaj. Russische Angriffe richteten katastrophale Schäden an. Russische Truppen konzentrieren ihre Angriffe auf Lyssytschansk, nachdem sie am Wochenende die strategisch wichtige und nur von einem Fluss getrennte Nachbarstadt Sjewjerodonezk erobert hatten. Der Generalstab der ukrainischen Armee erklärte, die russischen Kräfte setzten Artillerie ein, um Lyssytschansk vom Süden der Ukraine abzuschneiden.

Auf dem Gelände der Chemiefabrik Asot in Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine hielten sich nach Angaben pro-russischer Separatisten noch rund 500 Zivilisten auf. Sie könnten das Werk noch nicht verlassen, weil einige Übergänge dort vermint seien, sagte der Vertreter der Luhansker Separatisten in Moskau, Rodion Miroschnik, am Montag im russischen Staatsfernsehen. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Spezialisten entschärften diese Minen, „damit diese Menschen selbst entscheiden können, ob sie auf dem Gebiet von Sjewjerodonezk bleiben oder es verlassen wollen“, sagte Miroschnik. Russland hatte die Einnahme der Stadt am Samstag gemeldet.

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Gekämpft wird auch etwas weiter westlich im Raum Bachmut. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Nach ukrainischen Angaben konnten hier ebenfalls Angriffe russischer Einheiten auf einen Vorort zurückgeschlagen werden. Beim russischen Vormarsch auf den Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk gibt es trotz heftiger Artilleriegefechte wenig Bewegung.

Aus dem Süden des Landes, im Gebiet Cherson, meldet der Generalstab ebenfalls russische Artillerieangriffe. Zugleich habe die Luftwaffe dort „erfolgreiche Schläge“ gegen feindliche Truppenansammlungen geflogen. Unabhängig lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

Russland attackierte indes erneut das Gebiet Odessa mit Raketen. Bei einem Raketeneinschlag im Süden der Ukraine kamen sechs Menschen zu Schaden. Die Rakete sei von einem russischen strategischen Bomber des Typs Tu-22 abgefeuert worden, teilte das ukrainische Wehrkommando Süd mit. Unter den Opfern ist den Behördenangaben nach auch ein Kind. Aus den Angaben geht nicht hervor, ob die betroffenen Personen verletzt oder getötet wurden.

Bei Angriffen auf die Region Mykolajiw im Südosten der Ukraine töteten russische Truppen nach eigenen Angaben mehr als 40 ukrainische Soldaten. In der Nähe des Dorfes Wyssunsk sei am Sonntag zudem Militärtechnik zerstört worden, teilte das russische Verteidigungsministerium am Montag in Moskau mit. Zudem seien in mehreren Gebieten insgesamt 24 Kommandoposten zerstört worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Moskau bestätigte unterdessen auch Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew vom Sonntag – bestritt aber, ein Wohnhaus getroffen zu haben.

Unter den Trümmern eines Hauses in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol wurden unterdessen mehr als 100 Leichen entdeckt. Während der Inspektion von Gebäuden in der durch russische Angriffe stark zerstörten Stadt seien die Leichen gefunden worden, teilte Petro Andriushckenko, Berater des Bürgermeisters der Stadt, auf Telegram mit, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform.

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