Umjubeltes „Rössl“ zeigt alle Gangarten

Gesamtes Spektrum musikalischer Unterhaltung in Bad Ischl

Susanna Hirschler, Roman Martin und das Ensemble
Susanna Hirschler, Roman Martin und das Ensemble © Hofer

Von Ingo Rickl

Der Jubel, der nach drei Stunden bei der Premiere im Bad Ischler Kongress & TheaterHaus samt stehender Ovationen einsetzte, ist kaum zu beschreiben. Gespielt wurde zum Auftakt des 59. Léhar Festivals jenes Werk, das wohl das breiteste Spektrum in der Sparte Musiktheater aufweist: Ralph Benatzkys „Im Weißen Rössl“. Hier vereinen sich die Begriffe Operette, Singspiel, Musical, Jazz und zahlreiche Tanzformen mit einem wirksamen Libretto von Benatzky, Hans Müller-Einigen und Erik Charell und köstlichen Liedtexten von Robert Gilbert.

Wie hier der regieführende Intendant Thomas Enzinger die Möglichkeiten bündelt, gegeneinander antreten lässt und wieder vereint, ist optimal gelungen. Der musikalische Leiter Oliver Ostermann, der auch seine Erfahrungen als Komponist einsetzt, die Ausstattung Totos, die es an vielfältigen Effekten nicht fehlen lässt, und die Choreografie von Ramesh Nair mit erfreulichem Hang zum Stepp sind bestens vernetzte Zutaten des Erfolgs.

In einer präzisen Einführung durch Barbara Kreuzer im Stadtmuseum und druckreifen Reden von Bürgermeister Hannes Heide, Intendant Enzinger und Landeshauptmann Thomas Stelzer, der auch seinen Taufnamen Leopold verriet, wurde vor allem die Sehnsucht der Menschen nach Kunst und Kultur apostrophiert. Der Landeshauptmann überließ die Partie des Leopold dann jenem Komödianten, der alle Tricks behende beherrscht: dem Tenorbuffo Roman Martin. Dieser konnte seine Talente bis hin zum Saxofonspiel voll ausschöpfen. Jede Pointe sitzt, die Vielseitigkeit, die dieser Leopold zusätzlich zu seiner krankhaften Liebe zur Rösslwirtin zu verkörpern hat, ist fulminant erfüllt. Neben ihm ist die ebenso vielseitig agierende resolute Susanna Hirschler die Wirtin Josepha Vogelhuber, die von keinem Geringeren als dem Kaiser ermahnt wird, g’scheit zu sein und letztlich den liebeskranken Leopold erhört.

Zu diesem Hauptpaar kommen Gäste aus allen Gesellschaftsschichten. Berlin ist besonders stark vertreten. Ramesh Nair ist der unkonventionelle Sigismund Sülzheimer, dem er ein besonders skurriles und zugleich liebenswertes Flair verleiht. Als lispelndes Klärchen erobert sich Nina Weiß diesen heißen Typen ohne alle Anstrengungen. Da muss sich Franziska Krötenheerdt als Ottilie schon kräftiger ins Zeug legen, um den eigentlich der Rösslwirtin wegen angereisten Rechtsanwalt Dr. Siedler für sich zu gewinnen. Dieser ist dem wendigen Spieltenor Ricardo Frenzel Baudisch anvertraut, der seelenruhig seine Fäden spinnt und gleichzeitig den Rechtsstreit um zwei Hemdhosen schlichtet. Als Piccolo bleibt Kaj-Luis Lucke zu plakativ und übertreibt.

Da ist keine Steigerung mehr möglich

Als weitere Protagonisten gefallen Frank Voß als grantelnder Giesecke und die bei jedem Auftritt mit Applaus bedankte Helga Papouschek als vielseitig in die Handlung auch jodelnd eingreifende Kathi. Letztlich ist Kurt Schreibmayer als Kaiser Franz Joseph zu bewundern, der kitschfrei souverän bis hin zum rührseligen Schlager „Es ist einmal im Leben so“ eine für alle Charakterschauspieler und Sänger erstrebte Partie veredelt.

Das Franz-Léhar-Orchester befindet sich wie der von Gerald Krammer studierte Bewegungschor ebenso in Höchstform wie die Tänzer. Gesamt ist zu sagen: Besser als diesmal kann Unterhaltungs-Musiktheater nicht sein, da müssten nun auch die Kassen klingeln …

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