Unbeirrt und konsequent

Albertina huldigt dem „Hunderter“ von Maria Lassnig

Maria Lassnig: „Fotografie gegen Malerei“, 2005
Maria Lassnig: „Fotografie gegen Malerei“, 2005 © Maria Lassnig Stiftung

Maria Lassnig (1919-2014) ist sehr alt geworden, aber ihren hundertsten Geburtstag hat sie nicht erreicht. Vermutlich wäre sie sehr glücklich mit der Ausstellung ihrer Gemälde, die ihr Klaus Albrecht Schröder zu diesem Anlass in der Albertina ausgerichtet hat.

Denn großartiger könnte die Künstlerin, die erst in den letzten Lebensjahrzehnten zu internationalem Ruhm aufstieg, nicht gefeiert werden.

Selbstporträts im Fokus

Heute gilt Maria Lassnig als führende Vertreterin einer Körperkunst, die zwar vielfältige Themen bearbeitet hat, aber zentral immer auf das eigene Ich zurückgeworfen wurde. Darum stellen die Selbstporträts in der mit rund 80 großformatigen Ölgemälden chronologisch gehängten Schau einen Schwerpunkt dar, der durch alle ihre „Phasen“ zu verfolgen ist. In Kärnten geboren, kam sie nach Wien, um als Künstlerin zu leben, nahm den Weg nach Paris und New York, um erst als etwa Sechzigjährige in ihre Heimat zurückzukehren.

Und stets war sie sich selbst das Thema, geradezu unglaublich uneitel, ihr Gesicht, vor allem ihr Körper, dessen Hinfälligkeit nach und nach sie darstellte. Die Bedrohungen, die Maria Lassnig empfand, fügte sie sich bildlich selbst zu, ob sie sich wie Laokoon mit einer Schlange umwand, ob sie mit einem Tiger schlief, ob sie sich (im Stil von Frida Kahlo) die Brust durchstach oder sich und die Welt mit einer Pistole bedrohte, Und immer zeigt sie sich nackt, gibt ihr weibliches Selbstverständnis schutzlos, unbeirrt, konsequent und mutig preis.

Lassnigs „Handschrift“

Ein Weg durch die Ausstellung zeigt, dass Maria Lassnigs „Handschrift“ stets unverkennbar war, sie aber dennoch Formen und Themen variierte. Sie arbeitete in Paris anders als in New York und anders in ihren Spätjahren in Wien, versuchte sich in Abstraktion, schuf ausgesprochen surreale Sujets, fand ihren eigenen, unverwechselbaren Realismus. Ihr Hang zum Monströsen, Grausamen, Gnadenlosen zeigte sie als Kind ihrer Zeit, aber sie paraphrasierte sich auch ironisch als King Kong, der durch die Häusermeere der Großstadt schreitet … Die Herausforderungen, die sie suchte, gibt sie an die Betrachter ihrer Werke weiter.

Apropos: In New York hat sich Maria Lassnig auch als Filmemacherin betätigt. Im November wird, parallel zur aktuellen Ausstellung in der Albertina, das Filmmuseum ihre Werke zeigen.

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Albertina: Maria Lassnig — Ways of Being, bis 1. Dezember 2019

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