Und das Flehen um Frieden

Salzburger Festspiele mit Schuberts Vermächtnis aus seinem Todesjahr

Kostet die finale Stille aus, ehe Jubel losbricht: Franz Welser-Möst
Kostet die finale Stille aus, ehe Jubel losbricht: Franz Welser-Möst © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Der 15. August ist als Marienfeiertag oftmals auch ein kirchenmusikalisches Ereignis in den ländlichen Kirchen. So plante der Salzburger Festspielkalender an diesem Tag mit Franz Welser Möst, der Camerata Salzburg, dem Wiener Singverein (Johannes Prinz) – Solisten Golda Schultz, Katharina Magiera, Julian Pregardien, Maciej Kawasnikowski, Tareq Nazmi – die Aufführung von Schuberts Messe in Es-Dur D 950 als Nachmittagskonzert im Haus für Mozart. Schubert schrieb diese Komposition ohne Auftrag oder Anlass im letzten Sommer seines Lebens, ein Werk, das den Rahmen von begleitender Liturgie in ihrer zeitlichen Ausdehnung und den hohen Ansprüchen an die Ausführenden beinahe sprengen würde. Die Art, wie Schubert in jedem der sechs Sätze in lateinischer Sprache im Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei die tragende Rolle dem Chor zukommen lässt, war mit dem 80-köpfigen Wiener Singverein als klingendes Miteinander im schmerzlichen Ringen um Versöhnung hör- und fühlbar.

Schuberts „letzte Worte“

Die instrumentale Ausstattung mit Posaunen, Holzbläsern und tiefen Streichern sowie jubelnd aufwärtsstrebenden Streichern beim Gloria-Beginn, sie sollten vielleicht den Himmel aufreißen, wobei Chor und Orchester immer wieder mit starken Kontrasten überraschten. Für diese Salzburger Aufführung hat Franz Welser-Möst zwei Einzelsätze eingefügt, die im Oktober 1828 entstanden sind und buchstäblich als Schuberts „letzte Worte“ auf dem Gebiet der Kirchenmusik gelten könnten. „Intende voci orationis“ D 963 für Tenor- Solo (Julian Pregardien), Chor und Orchester mit Text aus dem 5. Psalm: Der betende Mensch fleht zu Gott, dass dieser sein Gebet erhören möge. Zwischen Credo und Sanctus wurde der Hymnus des Thomas von Aquin (1264) „Tantum ergo“ passend ins Programm eingeschoben. Dann erklingen im Credo beim weihnachtlichen „Et in carnatus est“ erstmals die Solostimmen. Ein Terzett aus Tenor 1 und 2 sowie Sopran, wird auf lyrische, fast elegische Weise die Hingabe der Jungfrau Maria in Innigkeit besungen. Sehr ungewöhnlich erklingt nach dem weihevollen Sanctus-Lobgesang das ausladende Agnus Dei mit der eindringlichen Bitte um Frieden, das im „Dona nobis pacem“ gerade jetzt alle so wirklichkeitsnah ergreift. Welser-Möst hält mit seiner Geste am Ende die Stimmung dieses Werkes im ausverkauften Hauses sehr lange aufrecht, bis endlich ein großer dankbarer Jubel losbricht.

Von Christine Grubauer

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