Und der begehrte Goldjunge geht heuer an …

Oscar-Nacht: Favoriten, Überfällige, Neulinge und Österreichisches

Er geht auf die 100 zu und ist begehrt, wie eh und je: Hollywoods goldigster Junge, der Oscar. Mit je elf Auszeichnungen führen drei Filme die Gewinner-Liste an: „Ben-Hur“ (1959), „Titanic“ (1997) und „Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (2003) © AFP/V. Macon

Der Weltraum-Thriller „Gravity“ räumte vor fünf Jahren sieben Oscars ab, zwei davon — für Schnitt und Regie — gingen an Alfonso Cuaron. Sein Folgefilm, die preiswert gedrehte Familiengeschichte „Roma“, geht am Sonntag mit zehn Nominierungen als Favorit ins Oscar-Rennen. Stand bei „Gravity“noch das Hollywood-Studio Warner Bros. hinter dem Streifen, drehte der Mexikaner Cuaron „Roma“ für Netflix.

Der Streamingdienst schrieb schon mit den Nominierungen des Schwarz-Weiß-Films über eine mexikanische Hausangestellte in den 1970er Jahren Oscar-Geschichte: Zum ersten Mal mischt eine Netflix-Eigenproduktion in der prestigeträchtigen Top-Sparte „Bester Film“ mit.

Glenn Close und Christian Bale als Favoriten

Ebenfalls zehn Nominierungen hat Yorgos Lanthimos’ „The Favourite“, ein skurriles Kostümdrama über Queen Anne und zwei Frauen, die um ihre Zuneigung wetteifern mit Olivia Colman, Emma Stone und Rachel Weisz. Acht Nominierungen haben „Vice“über den US-Vizepräsidenten Dick Cheney und das Remake von „A Star is Born“ mit Lady Gaga ergattert. „Black Panther“ (sieben Nominierungen), „BlacKkKlansman“ von Spike Lee (sechs Nominierungen), „Bohemian Rhapsody“ und „Green Book“(je fünf Nominierungen) komplettieren den engeren Favoritenkreis, wobei diese acht Filme auch die Anwärter für die Königskategorie „Bester Film“ sind.

Neben Olivia Colman und Lady Gaga sind für die Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ noch Melissa McCarthy („Can You Ever Forgive Me?“), Yalitza Aparicio („Roma“) und Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“) nominiert, wobei dies bereits die insgesamt siebte Nominierung für Close ist und sie damit als „überfällig“ für einen Goldjungen gilt.

Bei den Herren wetteifern vier renommierte Stars mit einem Newcomer um den Oscar für den „Besten Hauptdarsteller“. Gute Chancen hat Christian Bale („Vice“), der mit Bradley Cooper („A Star is Born“), Willem Dafoe („At Eternity’s Gate“) und Viggo Mortensen („Green Book“) Rami Malek gegenübersteht, der in „Bohemian Rhapsody“ Freddie Mercury gibt.

Zwei Chancen für Henckel von Donnersmark

Für Österreich gibt es heuer keine Oscar-Weihen, nachdem der heimische Auslandsoscar-Kandidat „Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann es nicht auf die Shortlist geschafft hatte. Dagegen ist Deutschland mit Florian Henckel von Donnersmarks Künstlerbiografie „Werk ohne Autor“ gleich zweifach nominiert: Als bester nicht-englischsprachiger Film und für die Kameraarbeit. Und immerhin besitzt der Regisseur neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft.

Etwas österreichisches Flair gibt es wie gewohnt in der Küche. Starkoch Wolfgang Puck (69) richtet gleich nach der Oscar-Gala beim Governors Ball zum bereits 25. Mal sein traditionelles Gourmetgelage aus. 300 Kilo vom allerbesten Rindfleisch hat Puck aus Japan einfliegen lassen. Auf der Einkaufsliste standen außerdem 7500 Garnelen, 250 Hummer, 1500 Flaschen Champagner und viele andere Köstlichkeiten. Tausende Wildlachsstreifen werden genau in Form der Oscar-Trophäe zurechtgeschnitten und als Appetizer gereicht. Erstmals gibt es in Hollywood auch ein Kärntner Knödelgericht, wie Puck es von seiner Mutter kennt.

Das ist jedoch nicht der einzige Österreichbezug mit einer gewissen Tradition: Für die glitzernde Bühnendekoration bei der 91. Oscar-Verleihung zeichnet auch heuer wieder Swarovski verantwortlich. Das Tiroler Unternehmen ist zum insgesamt zwölften Mal auf der Bühne der wichtigsten Filmpreise vertreten. Beim Debüt des diesjährigen Produktionsdesigners David Korins verarbeitete das 15-köpfige Designerteam in mehr als 2100 Arbeitsstunden über 410.000 Swarovski-Kristalle.

Nachdem Komiker Kevin Hart wenige Tage nach seiner Ernennung zum heurigen Host im Dezember wegen früherer homophober Äußerungen zurückzog, steht mittlerweile fest, dass es gar keinen Showmaster geben wird. So wird die Gala in Hollywood wie zuletzt vor 30 Jahren allein mit Starpräsentatoren für die einzelnen Kategorien bestritten. Dazu gehören etwa Javier Bardem, Melissa McCarthy, Daniel Craig oder Whoopi Goldberg.

Um 2 Uhr beginnt für Frühaufsteher auf ORF eins die Live-Übertragung am roten Teppich, um 2.30 Uhr startet die Verleihung.