Unfruchtbar durch zu viel Sport

Zu einem gesunden Lebensstil zählen auch Bewegung und Sport. Allerdings kann ein zu intensives Training die Fruchtbarkeit der Frau senken. Neben Alter, Nikotin- und Alkoholkonsum, Stress, extremem Unter- oder Übergewicht sowie anderen medizinischen Faktoren, kann auch exzessiver Sport in Verbindung mit Gewicht und Ernährung die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.

„Ein allzu intensiv trainierter Körper besitzt nicht ausreichend Energie, um sich gleichzeitig auf eine Schwangerschaft vorzubereiten“, erklärt OA Katharina Doneus, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Rohrbach. Die Gynäkologin ist dort auch in der Kinderwunschambulanz.

Eine norwegische Studie kam zu dem Ergebnis, dass bei übermäßig betriebenem Sport – das heißt fünf- bis siebenmal pro Woche über 60 Minuten – der Kinderwunsch einer Frau unerfüllt bleiben kann, vor allem wenn der körperliche Energiebedarf bewusst oder unbewusst nicht entsprechend gedeckt wird und die Frauen bis zur körperlichen Erschöpfung trainieren.

Betroffen davon sind junge und schlanke Sportlerinnen. Bei Frauen, die mäßig Sport betreiben oder sich dabei kaum verausgaben, war in der Studie kein Zusammenhang nachweisbar. Übergewichtige Frauen profitieren im Gegenteil vom Training: ihre Fruchtbarkeit ist erhöht.

„Intensive sportliche Aktivität kann einen negativen Einfluss auf den Hormonfluss zwischen Gehirn, Hirnanhangdrüse und Eierstock haben. In ausgeprägten Fällen kommt die Hormonproduktion und -absonderung vollständig zum Erliegen“, beschreibt Doneus. „Wird der Energiebedarf nicht ausreichend gedeckt, werden bestimmte Prozesse im Körper – wie zum Beispiel die Fruchtbarkeit – erst gar nicht angestrengt.“ Unterhalb eines bestimmten Minimalgewichts fährt der Körper, um sich selbst zu erhalten, gewisse Funktionen herunter, als erstes die reproduktive Funktion.

„Eine Schwangerschaft ist für den Organismus ein belastender und Energie raubender Zustand, den sich der Körper bei einer Minimalversorgung nicht mehr leistet – sei es aufgrund einer Essstörung oder bei erhöhtem Verbrauch durch massiven Sport. Die negative Wirkung des harten Trainings scheint allerdings vorübergehend zu sein“, sagt die Gynäkologin.

Richtig dosiert bringt Sport Vorteile

„Frauen mit Kinderwunsch sollten nicht mit dem Sport aufhören. Forschungen zeigen auch, dass mäßiger Sport die Insulinfunktion von Frauen stärkt und somit das Hormonprofil
verbessert. Man geht davon aus, dass sich sowohl zu viel als auch zu wenig körperliche Aktivität schlecht auf die Fruchtbarkeit auswirkt“, schildert Doneus.

Richtig dosiert und regelmäßig betrieben bringt Sport Vorteile. Zudem sollten Sportlerinnen besonders auf Warnsignale wie extrem lange Menstruationszyklen oder das Ausbleiben der Regel achten. Als „steril“ werden Paare bezeichnet, bei denen trotz bestehenden Kinderwunsches nach einem Jahr mit regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Empfängnis eintritt. Die Ursachen können medizinisch sein oder mit dem Lebensstil zusammenhängen.

Wie ist Ihre Meinung?